Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 10 (1889))

88

Theodor Distel,

Von voreydung der schöppen und des notarii.
Die schöppen, so in diesen schöppenstul gesaczt und vorordent
sollen alle die gewöhnliche schöppenpflicht leisten und keiner zu sol-
chem ambte zugelassen werden, er habe dan den eid mit aufgerichten
fingern leiblichen geschworen und der Ordnung nachzuseczen, sich re-
versiret, desgleichen soll der Schreiber einen notariateid und in seinem
ambte fleissig zu sein, auch von den urteln und hendlen nichts zu
offenbaren oder ohne bevehlich von sich zu geben schweren und leisten.
Und sollen solche eyde niemandes anders, dan uns, geschehen und
gegen unser person, als der hohen obrigkeit, gerichtet sein, nemblich
mit diesen Worten:
Wir schweren tzu gott, dem churfursten tzu Sachsen etc. un-
serm gnedigsten herrn, das wir etc.
Zu welcher stunde die schöppen auf und abgehen und wie
sich sonst in ihrem ambte Vorhalten sollen.
Die schöppen sollen alle morgen winters umb sieben und sommers
umb sechs *) uhr in der schöppenstube zu häufe kommen, daselbst der
arbeit bis umb zehen uhr abharren, nach gehaltener malczeit widern mb,
wan es eins schiegt, aufgehen und bis umb fünf solchem ihrem ambte
obsein. Es sollen auch alle acten, rechtsfragen, Schriften und was ein-
kommen, von ihnen sambtlich gelesen, bewogen und berathschlagt
werden und soll forthin aus dem schöppenstul niemandes nichts in
seine behausung mit anheim nemen und hernach oder sonst referiren,
sondern es soll alles sambtlich und collegialiter gelesen, angehöret und
tractiret werden. Nach fleissiger Vorlesung der fragen und acten soll
der regirende oder eltiste burgermeister die umbfrage halten und sollen
die schöppen ihre vota mit guten Ursachen, textibus et rationibus juris,
ausfuren, sich auch sonst im votiren schidlich erzeigen, keiner dem
andern im reden einfallen und sich freundlich mit einander vorgleichen.
Do zweispaltige meinung einfielen, sollen sie den Sachen einen anstand
bis zur andern zuhaufkunft geben, fleissig darauf studiren, aufsuchen
und nachdenken, bis sie sich mit einander vereidigen mugen.
Es soll auch kein urtel gesprochen werden oder ausgehen, es seind
dan alle oder des mehrern teils schöppen darbei gewesen und solches
sprechen oder willigen helfen.
Die drey burgermeister, ausserhalb burgermeister Lotter, wie ob-
stehet, sollen forthin keinen Substituten mehr halten, sondern diesem
schöppenambte selbst beiwohnen, alleine wollen wir dem regirenden
burgermeister nachgelassen haben, das er dicz jhar über, weil sein
4) Wie leben wir modernen Menschen dagegen in die Nacht hinein!
Damals pflegte man die Haupt(Mittags-)mahlzeit 10 Uhr und früher zu
halten und jetzt ist sie vielfach bis 5 Uhr Nachmittags — und noch
weiter in den Abend hinein — vorgerückt worden! Man vgl. meine,
8.64, Anm. 2 angezogene Schrift: 8. 79, Anm. 1. Eine Schöppenstuhls-
sitzung aus Carpzovs Zeit ist in einem seiner Werke abgebildet: man
vgl. meine Mittheilungen in der ,,Chronik für vervielfältigende Kunst“
- 1888 - Nr. 6. 8. 77.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer