Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 10 (1889))

Beiträge zur ält. Verfassungsgeschichte des Leipz. Schöppenstuhls. 87

Von den personen, so in diesen schöppenstui geordent.
Es sollen darinnen fortbin sieben personen siezen, als nem blich
die drey burgermeister der stadt Leipczigk und sonst vier andere
schöppen, unter welchen vieren zum wenigsten drey doctores sein sollen.
Es sol aber auch forthin kein oberschoppenschreiber darinnen mehr
gehalten werden, sondern die doctorn sollen alle miteinander die urtel
wechselsweise1) concipiren und fassen, welches dan ein unterschöppen-
schreiber oder notarius, denen sie darczu bestellen und annemen
mögen, widern mb abschreiben und die doctorn die urtel, ehe sie vor-
siegelt, widerumb ersehen, und revidiren lassen soll. Desgleichen soll
solcher unterschreiber oder notarius die gerichtsacta und andere
Schriften fleissig aufheben, registriren und vorzeichnen, darüber bucher
fassen, die urtel, instrumenta und urkunden ingrossiren, den schöppen
furtragen und in kästen legen, vorsecretiren und solches alles mit vor-
wissen und guter gefaster Ordnung der schöppen selbst anstellen und
vorrichten. Zu diesen vier schöppen haben wir dismals ausserhalb der
burgermeister, so sonsten allewege in der stadt, als von uns bestätigt,
darinnen zu siezen pflegen, deputirt: doctor Georgen Kosten, doctor
Johan Unwirten, doctor Marcum Scipionem2) und aus dem rhat den
eltisten rhatherrn, Christoffen Abten. Do dan von solchen vier
schöppen einer oder mehr abgehen, abdancken, abcziehen oder sonst
aus dem schöppenstui kommen wurde, so mugen alsdan die andern^
schöppen, an der abgegangenen stete, uns andere benennen und fur-
schlagen, so wollen wir dieselbigen unsers gefallene confirmiren und
bestetigen, wie wir uns dan sonderlich furbehalten, solche schöppen
selbst darein zu ordenen und ohne unser vorwissen oder bewilligung
niemandes in berurten schöppenstui seczen oder kommen zu lassen.
Und nachdeme der dritte burgermeister icziger zeit noch nicht erwelet,
so wollen wir bis auf das zukünftige jhar einen aus dem rhat ordenen,
so diese stelle im schöppenstui und so lange ein burgermeister {ffir
Badehorn] wider bestätigt, vortreten und berurt ambt vorwalten solle,
Dem burgermeister Lotter, weil derselbige sehr alt und fast unvor-
mugend, wollen wir nachgelassen haben, einen Substituten zu halten
und an seine stadt eine andere person, jedoch mit unserm vorwissen
siezen zu lassen.

1) Dass dies geschehen ist, erhellt aus den einschlagenden Urtels-
konzeptbflehern auf der Universitätsbibliothek zu Leipzig, von denen
leider einige (Beibände insbesondere) aus jener Zeit fehlen. Unterm
13. Juli 1575 milderte August diese Bestimmung dahin, dass bei Ueber-
häufung der Sachen nur der halbe Theil der Schöppen die Akten
zu lesen brauche, die andere Hälfte solle den Rechtsfragen bei-
wohnen, allerseits aber Relation geschehen und Akten und Rechtsfragen
communicato consilio endlich — alles dies aber nur auf dem Rath-
hapse geschehen — gesprochen werden. — *) Als vierter Doktor war
hier ursprünglich auch Winsheim aufgeführt, August selbst hatte sei-
nen 'Namen jedoch gestrichen. 1603 kamen Übrigens die Doktoren
wieder in den Leipziger Rath.

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