Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 31 (1910))

Zur Rechtsgesch. der mittelalterl. Transportgenosaenschaften. 277
Fuhrmännner fremder Dörfer führen wollten, mit den rott-
berechtigten Gemeinden sich auseinanderzusetzen hatten.
Das ausschließliche Rottrecht der Rottstationen sollte in der
Regel dann nicht Platz greifen, wenn von dem fremden Fuhr-
mann oder dem hinter ihm stehenden Kaufmann der rott-
berechtigten Gemeinde ein Ersatzgeld entrichtet wurde. Diese
für die Gemeindefinanzen sehr wichtigen Ersatzgelder hießen
rodpfennig1), verschätz, oder fürleite.2) Ein Analogon hierzu
stellen die an die rottberechtigten Schiffer- und Flößerzünfte
zu entrichtenden Abfuhrgelder dar.3)
Eine weitere Einnahmequelle war das sog. Niederlags-
geld, welches von den Gemeinden in ihren Niederlagshäusem
erhoben wurde. Nach der Rottordnung von Laudegg wird
die niderleg in der Gemeinde verteilt, und zwar erhält
davon auch derjenige einen Anteil, welcher gerade nicht in
der Rott steht.4) In der Dorfordnung von Latsch wird eben-
falls bezeugt, daß das „niederleggeld“, welches bisher unter
die Rottleute verteilt wurde, an die Gemeinde zu entrichten
sei, um die Kosten der neuen Straße zu decken.5) Ein ähn-
licher Vorgang ist in Imst zu beobachten.6)
Aus dieser großen finanziellen Bedeutung des Transport-
wesens für die Gemeindekasse und deshalb, weil ein be-
trächtlicher Teil der Dorfgenossen von dem Transportgewerbe
lebte, wird es verständlich, daß die rottberechtigten Ge-
l) Urkunde v. J. 1428 unten Miszelle: „und ob so vil göts da were,
das unsers gotz hus armlöte nit gefüren möchten, so mögen die von
Rössen rodpfennig nemen von fremden löten ongeverlich, vgl. ferner
Tir. Weist. II 296. Lori a a. 0. 2, 330: Vorrecht der rottberechtigten
Stadt Schongau, ferner Lori 2, 382; 2, 369 ; 2, 375 v. J. 1566; 2, 504 v. J.
1692; 2, 587; 2, 544. — * *) Börlin a. a. 0. 8. 23. — *) Vgl. Schanz, Wirt-
schafts- u. Verwaltungsstudien Bd. XXI 8. 44ff.: Die Schifferzflnfte in
den Orten des Bodensees verlangten von allen fremden Schiffen, die
in dem Orte ihrer Berechtigung verkehrten, Abfuhrgelder. Über das
Gewerbemonopol der Rheingenossen vgl. Vetter, Die Schiffahrt, Flößerei
und Fischerei auf dem Bodensee 8. 42, U. Stutz a. a. 0. 8. 3 u. 9. —
*) Tir. Weist. II 297, 7: Ob er aber in der rod gefört bette, so soll man
im, doch nit weiter desselbigen jars von der niderleg zu nemen schuldig
sein dan als ainen, der kain men hatt. — •) A. a. 0. III 233ff. u. 256,
29: „wegen erbauung der neuen strassen .. solle solliches niederleg-
geld zu dem weggeld .. zusammen getriben und gelegt werden.“ —'
*) Vgl. das Imster Rottbuch v. J. 1485 a. a. 0. II163, 30ff.

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