Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 13 (1892))

Miscellen.

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abweichend dahin beantworten, dass Wenzel an die Stelle der Privat-
beliebung positive Vorschrift gesetzt, das facultative Recht zum In-
testaterbrecht gemacht habe.
III. Aus Cap. 353 des Breslauer Landrechts von 1356 schliesst,
Gau pp a. a. 0, 8. 69, und zwar m. E. mit Recht, dass in Schlesien
das System der allgemeinen Gütergemeinschaft in älterer Zeit bekannt
und in Anwendung gewesen ist. Einen weiteren Beweis hierfür liefert
das Zeugniss eines ehemals über die Grenzen seiner Heimath hinaus
berühmten schlesischen Gelehrten, Nicolaus Henels von Hennen-
feld 1). In seiner 1630 verfassten Chronik des Münsterbergischen Fürsten-
thums und des Frankensteinschen Weichbildes1) berichtet er über die
rechtlichen Verhältnisse dieser Gebiete unter anderem Folgendes:
„In den beiden Städten Münsterberg und Franckstein ist diese
eine aussgeübte Gewohnheit (anderer vor diessmahl zu ge-
schweigen), dass wenn zwey Eheleute sich miteinander vererbete,
sie ein gemein Gutt, (obschon die Kinder nicht im Leben bleiben),
machen, haben und halten, dergestalt zwar, da eines unter ihnen
Todes halber abgehet, dass dem Manne oder dessen Erben davon
zwey Drittheil, dem Weibe aber oder ihren Erben ein Drittheil
gebühret, jedoch dass zuvor alle Schulden ex universo corpore
haereditario gezahlet werden. Neque enim bona tantum, sed et
nomina communicantur: also dass der überbleibende Ehegenoss
alle des verstorbenen binterlassene “Schulden biss au ff den letzten
Heller zahlen muss sublato utique moribus harum Urbium (utut
plurium aliarum) titulo Codicis, ne uxor pro marito. Gleicher
Gestalt ist eine alt hergebrachte und eingeführte Gewohnheit,
dass so lange eine Erbschaft zwischen Eltern und Kindern unge-
teilt verbleibt, genossen, vermehret und gebessert werde, dass
alsdann solche beständig auffnehmen und incrementum den
Kindern erster Ehe auff ihre zwey Theil Vaterrecht nicht weniger
als der Mutter zu Frommen und Nutz gelanget und sich eines
mit und neben dem andern bessert. Auff den Dorffschaften aber
unter den Bauersleuten ist solche communio bonorum gemeinig-
lich auff die Reifte gerichtet“.
Aus dieser Stelle geht klar hervor, dass im Gebiet der Städte
Münsterberg und Frankenstein in Schlesien das Drittheilsrecht auf dem
Boden der Gütergemeinschaft gestanden hat* *). Sie dürfte aber auch
ein nicht zu unterschätzendes Zeugniss dafür sein, das dieses Rechts-

*) Vgl. über dessen Leben und Schriften den Aufsatz von H. Mark-
graf in der Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum
Schlesiens, Bd. 25 (Breslau 1891) 8. 1 flg., besonders 8. 39. — *) Eine
von Christian Ezechiel verfertigte Abschrift dieses Werkes befindet sich
in dem Handschriftenschatz der Breslauer Stadtbibliothek unter Sign. 616
8. V. 3 a, 5. Die abgedruckte Stelle vgl. daselbst auf 8. 65/66. —
*) Vgl. Schröder, Geschichte des ehelichen Güterreöhts II, 3 § 7
8. 80 flg., besonders 8. 89
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XIII. Oerm. Abth.

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