Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 33 (1912))

154 Rudolf His,
flandrischen Quellen ein „freundlicher Friede“ (vriendelike
vrede)l * *) vor.
2. Für die zweite Art des Landfriedens verwendet das
Recht des Landes Aelst den Ausdruck „herrlicher Friede“
(herrelike vrede), wenn der Friede von Amts wegen her-
gestellt wurde; wird die Behörde, das Gericht (wet), auf
Ersuchen der Beteiligten tätig, so spricht das Aelster Recht
von einem „gerichtlichen Frieden“ (wetteliker vrede).*) Die
Keure des Freien von Brügge gebraucht dagegen die Be-
zeichnung wetteliker vrede für den von Amts wegen herge-
stellten Landfrieden?)
In Groningen heißt der aus freien Stücken gelobte Friede
„minnlicher Friede“ (minliker vrede), der auf Befehl der
Behörde gelobte „Stadtfriede“ (stadvrede).4)
Das in der Schweiz auftretende Wort stallung kann an sich
jeden Frieden, den gelobten, wie den gebotenen bezeichnen.
„Stallung“5 * *) gehört zu „stellen, zum Stehen bringen, zum
Stillstand bringen“ („still“ und „stellen“ sind verwandt)8):

*) Keure des Freien von Brügge 1461 §4 (Recueil des anciennes contu-
mes de la Belgique. Quartier de Bruges. Franc 1,508): zo wie vochte omme
toccusom van paeise, eoendinc, vricndelicke of wettelicke vrede.. — Aelster
Boek met den haire vom Ende des 15. Jahrb. (Wamkönig 3 Nr. 60 -----
Recueil usw. Quartier de Gand 3,462 ff.) die partien accorderen zonder
bedtcank van justicien. — Anders ist der Sprachgebrauch der Aelster
Coutume von 1618 (7,11 ff. Quart, de Gand 3,44): vriendelike vrede beißt
hier der Friede, der auf Ersuchen beider Parteien von der Behörde
hergestellt wird. Vgl. Dubois a. a. 0. 138. — Petit-Dutaillis a. a. 0.
55 f. — *) Boek met den haire a. a. 0. — Die Coutume von 1618
gebraucht die gleichen Ausdrücke, denkt aber dabei, wie es scheint,
an den gebotenen Frieden. — *) 8. o. Anm. 1. — 4) Stadtbuch von
1425 c. 91 und 93 (Telting 37 f.). — Anders ist der Sprachgebrauch in
Utrecht und Aachen, wo der Stadtfriede dem Handfrieden gegenüber-
gestellt wird: hier bezeichnet der Ausdruck den gebotenen Frieden.
8. u. 8. 171. — •) Vgl. Osenbrüggen, Studien 385. — Das Wort ist
fast nur in der Ostschweiz, und zwar vor allem im Zürichgebiet, zu Hause
und kommt bereits im Zürcher Richtebrief 1, 42 (Arch. für Schweiz.
Gesch. 5,170) in derVerbindung fride und Stallung vor. Belege aus den
Nachbaigebieten: Wollerau und Pf&ffikon 1484 § 11 (Osenbrüggen a a.O ).
— Glarus 1387 (Schaubergs Zeitschr. für noch ungedr. Schweiz. Rechts-
quellen 1,20). Vereinzelt findet sich das Wort im Westen: Basler
Friedensordnung 1516 (Basl. Rechtsquellen 1,337): der tieft frid, trostung
oder ttaUung. — *) Glarus 1887 (siehe vorige Anm.): an welchem ..

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