Volltext : Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 23 (1902))

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er noch im Jahre 1901 für die Festschrift der juristi-
schen Fakultät zum 80. Geburtstage des Prinzregenten
einen gelehrten Beitrag über die deutschen Städte - Privi-
legien zur Verfügung stellte. Ein glänzendes Zeichen
der Pflichttreue ihres Seniors bewahrt die Juristenfakultät
in einem eigenhändigen Schreiben an den Dekan vom
18. Oktober 1901, in welchem der soeben von einem
schweren Krankheitsanfalle Genesene in der rührendsten
Weise um die Entbindung von einem Fakultäts-Geschäft auf
14 Tage bat. Schon am 29. November schloss der Uner-
müdliche, Gute, in einem Alter von 84 Jahren und 4 Monaten
die Augen. —
Es war dem Verewigten vergönnt, die ganze politische
Entwickelung des Vaterlandes zu durchleben, von dem Früh-
lingswehen nationaler Begeisterung durch die traurigen Zeiten
des deutschen Bundes hindurch bis zur Vollendung der natio-
nalen Einigung. Obwohl ein überzeugter Anhänger des
deutschen Gedankens, ist Gengier doch politisch niemals
hervorgetreten. Ebenso durchlebte er alle Phasen unserer
modernen Rechtsentwickelung, von der Zeit, die keinen Be-
ruf für die Gesetzgebung hatte, von den Anfängen deutscher
Einheitsgesetzgebung, der Wechsel-Ordnung, dem Handels-
gesetzbuch [im Jahre 1844 hatte er „gemeines deutsches
und bayerisches Handelsrecht“ gelesen], von den partikular-
rechtlichen Codifikationen und Codifikationsbestrebungen [im
Jahre 1846 kündigte er die Vollendung des bayerischen
Civilgesetzbuches als unmittelbar bevorstehend an] — bis
zur Vollendung der deutschen Rechtseinheit — diese ganze,
grosse Entwickelung durfte er durchleben, und mit vollstem
Verständniss und persönlichem Antheil. Denn auch mit den
neuesten Codifikationen hatte er sich durch unermüdliches
Studium eingehend vertraut gemacht; durch emsige Lektüre
suchte er sich auch hier auf der Höhe der Wissenschaft zu
erhalten. Seine Geisteskraft war allerdings auch bis zu den
allerletzten Tagen eine völlig ungeschwächte. Einer so be-
gnadeten Lebenszeit und einer so bewunderungswürdigen

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