Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 1 (1880))

10. Die Entwickelung der Principalintervention in Italien

Die Entwickelung der Principalintervention
in Italien.
Von
Herrn Privatdocent Dr. Jakob Weismann
in Leipzig.
Die nachfolgende Abhandlung, die Einlösung eines ge-
gebenen Versprechens,1) hat zu ihrem wesentlichen Ge-
genstände die Entwickelung der sogenannten „Principal-
intervention“ in Italien; nur soweit es für das Ver-
ständniss dieser Entwickelung erforderlich scheint, betrachtet
sie die gleichzeitige Gestaltung der sogenannten „accessori-
schen“ Intervention; sie schliesst aus die „Principalinter-
vention in der Executionsinstanz.“
Man hat die Existenz der „Principalintervention“ im
mittelalterlichen Processrecht2) Italiens gänzlich bestritten;
und als seither gänzlich unerwiesen wird man sie in der
That betrachten müssen.

Weis mann, die Feststellungsklage, zwei Abhandlungen (Botin,
bei Adolf Marcus 1879), im Folgenden citirt als „Feststellungsklage“, 8. 76.
2) Wach, der italienische Arrestprocess (Leipzig 1868), S. 211:
„Es fragt sich: hat die italienische Doctrin und Praxis — die für
die heute s. g. Principalintervention aufgestellten Regeln zur Anwendung
gebracht? Soviel ich sehe, leugnen die Juristen mit grösster Ent-
schiedenheit und Einstimmigkeit jedes Recht des Dritten, auf das
schwebende Verfahren irgend welche Einwirkung zu äussern oder gar
den nicht ad causam legitimirten Kläger mit einer „qualificirten“ Klage
zu belangen. Man liess während schwebenden Processes nur accessorische
Intervention zu und erlaubte selbst in der Executionsinstanz eine Hem-
mung des Verfahrens nur dann, wenn eine res vacans, nicht eine a reo
possessa, Gegenstand des Streites war, oder zur Execution eines persön-
lichen Anspruchs Sachen des Dritten als Exeeutionsobjecte in Anspruch
genommen wurden.“
Richtig ist, dass die Principalintervention im Arrestverfahren
der italienischen Doctrin und Praxis als Principalintervention in der
Executionsinstanz erscheint. Vgl. Wach a. a. O. 8. 214. 215, und
noch Rafael Fulgosius, Gonsil. inc. factum sic se habet (Ed. Brixiae
1490, zusammen mit den Consilien des Rafael Cumanus, Nr. 169).
Nach Ren au d, Lehrbuch des gemeinen deutschen Civilprocessrechts
(Aufl. II. 1873) 8. 444 hat „man“ ein Institut „erfunden“, welches mit
dem Namen „Principalintervention“ bezeichnet zu werden pflegt; dazu
werden in Note 15 nur deutsche gemeinrechtliche Schriftsteller citirt,
als frühester Mauriti us, de jure interventionis, 1669. Osterloh, Lehr-
buch des gemeinen deutschen ordentlichen Civilprocesses (Leipzig 1856)
I. 8. 531, beruft sich nur auf deutschen Gerichtsgebrauch, und bemerkt
dazu mir (Note 9): „Aus cap. 38 X. de fest, et attest. II 20 lässt sich
dies nicht herleiten.“

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