Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 2 (1881))

Die Franken und ihr Recht.

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Dass alle diese Franken in Hessen, Rheinfranken, den
Mosellanden und Ostfranken demselben Stamme angehörten,
dass sie nämlich Chatten waren1), wenn auch in manchen
Gegenden mit alamannischen Elementen gemischt, ergibt sich
aus der Sprache2), den Ortsnamen3) und mit noch grösserer
Bestimmtheit aus den Rechtseinrichtungen4). Aus den letzteren
ersieht man zugleich, dass sie sali sc he Franken waren5),
wofür der „Libellus de libertate Epternacensi“, den der Mönch
Theoderich 1192 Kaiser Heinrich VI. überreichte, durch die
Bezeichnung des Adels der Grafschaft Luxemburg als „Salicae
conditionis“ eine erwünschte Bestätigung gewährt6). Dass
dies nicht in dem abstracten Sinne von vornehmer Herkunft,
sondern ganz konkret von der Stammeszugehörigkeit zu ver-
stehen, folgt aus der Bezeichnung der Vasallen des Raginbald
im Salingau als „lege Salica viventes“, des Grafen Peter von
Lützelburg im Saargau als „unus ex nobilioribus Francorum
et Salicorum proceribus“, des Schlosses Luckesheim (Lixheim)
im Saargau als „castrum Salicae gentis“, endlich aus dem
„iudicium principum et maxime Salicorum“ in einem Kölner
Hofgericht Konrads III. v. J. 1138 über eine Klagesache gegen
den Grafen von Namur7).
Auch nach Osten hin haben die Chatten die grosse Kultur-
mission des Frankenstammes verfolgt8). Mühlhausen in

9 Vgl. Zeuss, a. a. 0. 319. 323. Platner, i. d. Forsch, z. deutsch.
Gesch. XX, 190 f. — 2) Vgl. Weinhold, Mittelhochdeutsche Grammatik
§ 138. Heinzei, Geschichte der niederkrank. Geschäftssprache S. 344. —
3) Vgl. Ausbreitung d. Fr. 144. Arnold, Ansiedelungen und Wanderungen
deutscher Stämme, 8. 176—220. Ein Hessencheim oder Hessinkein, das
heutige Hessigheim im würtemb. Oberamt Besigheim, s. Wirtemb.
Urk.-B. II, 8. 401. III, 8. 433. — *) Vgl. Abschnitt III. — «) Vgl. 8. 43 f.
— •) Monum. Germ. Script. XXIII, 67: Illud summatim vestre celsitudini
significare dignum duximus de Luzelburgensi comitatu, qui sint et
quam nobiles, utpote Salicae conditionis et'libertatis ex magna parte
homines, qui hominium debent ad eundem comitatum de beneficiis
decentibus et hereditario iure de regno attingentibus de prefatis
bonis s. Willibrord!, que ipse sanctus firma et rata testamentorum
confirmatione delegaverat ecclesie sue Epternacensi. Mit „ex magna
parte“ ist doch wol der die überwiegende Mehrzahl bildende einheimische
Adel im Gegensätze zu den eingewanderten Geschlechtern gemeint. —
7) Die Citate s. Ausbreitung d. Fr. 167 f. Herkunft d. Fr. 46 f. —
8) Heber das Folgende vgl. die sorgfältige Untersuchung von K. Schulz,

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