Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 35 (1914))

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Konrad Beyerle,

Schilling und Heermalter. Noch mehr gilt dies von der
Belastung der Litenhufen, ihre * herschult' steht als Geld-
abgabe vollständig auf der Linie des westfälischen Heer-
schillings, während wir, auch was den Umfang angeht,
in der Leistung von 3 Kleinscheffeln Saatgetreide eine volle
Parallele zu dem von Kötzschke festgestellten Inhalt des
Heermalters der Werdener Liten erblicken müssen.1) Auch
das Walpurgisziel deckt sich mit dem von Kötzschke
festgestellten Maitermin, neben dem hier wie dort ein
zweites Leistungsziel im Spätjahr begegnet.2) Waitz3)
und Brunner4) hatten den Heerschilling der westfälischen
Liten mit dem 'hostilitium' der fränkischen Zeit zu-
sammengestellt und darin eine Geldsteuer für den Grund-
herrn zur Bestreitung seiner eigenen Heereslasten gesehen.
Kötzschke glaubte dem entgegentreten und sich dafür
entscheiden zu müssen, daß darin in voller Parallele zur
Pfleghaftensteuer der niederen Freien eine Ablösung der
altsächsischen Liten Wehrpflicht5) zu erblicken sei. Wir
möchten uns der Auffassung der ersteren anschließen, ohne
damit den gedanklichen Zusammenhang preiszugeben, der
beide Belastungsarten verbindet und sie in Rechtsaus-
drücken wie Heerschilling, Heermalter oder geradezu Heer-
bann Zusammentreffen läßt. Daher glauben wir mit folgen-
der Feststellung schließen zu dürfen. Der gemeinsame
Gedanke bäuerlicher Steuerleistungen statt persönlichen
Heeresdienstes verbindet den karolingischen cheribannus’6),
den westfälischen fherschilling’ und "hermalter"7) mit der
Halberstädter ^herschult' und dem 'herbannegeld' der II-

*) Vgl. Kötzschke, a. a. O., 8. 235, 237. Daneben steht die
als 'her malt’ auf tretende Abgabe, welche Kötzschke (a. a. O. 88. 234
N. 2, 236) aus alten Freckenhorster Aufzeichnungen mitteilt. Sie scheint
12 Kleinscheffel umfaßt zu haben, was ihren Naßinhalt neben unseren
'modius forensis’ rückt.
2) A. a. 0. 8. 234, 237. 3) Verf.-Gesch. IV 2, 8. 622ff.
4) RG. II, 8. 212.
B) Vgl. Brunner, RG. I 2, 8. 180, 356 zu Note 10.
6) Kötzschke, a. a. O., 8. 238; Brunner, RG. II, 8. 212;
Grimm, RA. I4, 8. 415.
7) Kötzschke, a. a. O., 8. 231 ff.; Schröder, RG. 5, 8. 160
Note 12.

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