Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

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Karl Wilhelm Nitzsch,

dem sich der Verkehr jener weitgedehnten Zone und des
Rheinischen Mittellandes wie nach einem Naturgesetz be-
rührten.
Dem entspricht, meine ich, jene merkwürdige und räthsel-
hafte Mischung, in der wir hier die verschiedenen Bildungen,
von welchen bisher gesprochen, zum Theil in unklaren Trüm-
mern durcheinander geschoben finden.
In der Zeit, die wir hier betrachten, bestanden unzweifel-
haft noch die alten grossen Jahresmärkte und das Burggrafen-
amt und seine Marktpolizei; neben der alten Stadt, zwischen
ihren Mauern und dem Rhein rivalisirten die Bauernschaften
und die grossen Stifter in der Erwerbung und Ausbeutung der
Marktstätten des Inselmarkts, auf dem der Grosshändler neben
dem Handwerker verkehrte. Noch war auch hier die Scheidung
zwischen diesem und jenem nicht erfolgt, da beide noch im
folgenden Jahrhundert in der gilda mercatorum vereinigt er-
scheinen. Der Aufstand von 1075 aber zeigt die zunehmende
Selbständigkeit dieses gemeinen Kaufmanns den verschiedenen
Hofrechten, vor allen dem erzbischöflichen gegenüber.
Mitten in diesen Verhältnissen entstand oder bestand
schon die südlichste Gilde am Rhein, eine selbständige kauf-
männische Genossenschaft Sächsischer Art und Herkunft, wie
sie weder die oberrheinischen noch die Donaumärkte kannten.
Wurde damals schon in allen Rheinischen Bischofstädten,
woran ich nicht zweifle, die Hof- und Heersteuer von allen
Handeltreibenden1) erhoben und begann in ihr gleichsam die
Finanzkraft der Städte zuerst sich wirksam zu zeigen, so war
dies, möchte ich sagen, ein Rheinisches Motiv für die genossen-
schaftliche Vereinigung dieser Kräfte, aber daneben steht,
wenn man so sagen will, das rein mercantile Sächsische. Die
Gilde war die Vereinigungsform, von der aus die Verbindung
zwischen der Handelsgerichtsbarkeit daheim und jenseits des
Meeres dieser aufstrebenden und erwerbdurstigen Kaufmann-
Schaft ermöglicht wurde. Eben dass sie das war, gab dieser
Verbindung der handelnden und deshalb steuernden Bürger
an diesem halbmaritimen Platz ihre besondere Bedeutung.

*) Ministeriilitit und Bfirgerthum S. 225 ff.

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