Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

Litterator.

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möglicht, für England fehlte. Einzelne Quellenstellen (so z. B. Rot.
Hundred. II 50tb für Soham) lassen ihn deshalb ganz allgemein die
Coincidenz von unregelmässiger Auftheilung mit Geldzahlung und regel-
mässiger Hufenlage mit Arbeitspflicht annehmen (S. 200 unten und
Essay II C. IV a. E.). Zu einem nicht geringen Theil wird diese Er-
scheinung wohl darauf zurückzuführen sein, dass, wo neben arbeits-
pflichtigen Stellen rentenpflichtige Grundstücke in den Gutsherrschaften
Vorkommen, letztere theils Rotthufen, theils spätere Vergebungen von
Allmendland, theils unvollkommen vereinödete oder verkoppelte Hufen
sind. Im fiebrigen aber ist aus den deutschen Flurkarten der entgegen-
gesetzte Schluss zu ziehen: dass, wo überhaupt die typische Hufenauf-
theilung vorherrscht, die freien Siedlungen grundsätzlich und mit pein-
licher Sorgfalt das Princip der Gleichstellung der Hüfner vermittelst einer
rechnerisch genau gleichen Auftheilung der Gewanne unter sie durch-
führen, dagegen die gutsherrlichen Siedlungen, bei welchen die Willkür
des Herrn den Siedelnden die Planlage zuwies, von der stricten Durch-
führung dieses Princips sehr häufig absehen konnten und absahen und
deshalb kein rechnerisch durchsichtiges Flurkartenbild ergeben. Man
kann im Allgemeinen sagen, dass das massenhafte Vorkommen der
gleichmässigen Hufenauftheilung in einem Bezirke einer der stärksten
Beweise für die ursprüngliche Freiheit der dort ansässigen Bevölkerung
ist (weit abgeschwächter V. Essay II C. IV).
Ein Eingehen auf die Einzelheiten der Vinogradoffschen Darstellung
verbietet der Raum. Im höchsten Grade ansprechend und lehrreich ist
die Art, wie im Gap. V des ersten und den Gap. III und IV des zweiten
Essay die Incongruenz bezw. nur annähernde Gongruenz der von der
Legaltheorie acceptirten juristischen mit der wirtschaftlichen und
socialen Scheidung von „frei“ und „unfrei“ dargelegt und historisch
begründet wird. Wer diese eigenartigen Unklarheiten an einer modernen
Analogie verstehen will, muss sich in die Details der wirtschaftlichen
und rechtlichen Lage unserer ostelbischen Instleute und „freien“ Ar-
beiter vertiefen — diese beiden bekannten Kategorien entsprechen in
der heutigen so gewaltig veränderten Arbeitsverfassung dennoch im
Wesentlichen den unfreien und freien Bauern in der mittelalterlichen
Guts Wirtschaft.
Fraglich ist Ref., wie schon im Eingang angedeutet, ob die freie
Bauernschaft in ihrer Stellung und Bedeutung vom Vf. in Ess. II G. IV
und Ess. I G. VI zutreffend eingeschätzt ist. Ein näheres Eingehen dar-
auf verbietet sich hier. — Sehr ansprechend sind dagegen wiederum
die allerdings mehrfach stark hypothetischen Ausführungen (II G. V)
über die Spaltung der alten einheitlichen halimote der ceorls in court
baron und customary court — freie und unfreie Versammlung mit ent-
sprechend verschiedener Stellung der suitors — und die Stellung der
free tenants zum manor überhaupt. Die Anknüpfungspunkte an die vor
dem Feudalzeitalter liegenden Zustände sind überall, besonders hübsch
auch bei den court rolls und den Uebertragungsformen unfreien Landes,
aufgezeigt; die Einzelausführung folgt hoffentlich bald.

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