Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

7.2. Dr. Richard Weyl, Die Beziehungen des Papstthums zum fränkischen Staats- und Kirchenrecht unter den Karolingern

178

Litteratur.

vielleicht aber, wie jflngst Wellhausen1) für die Araber und die Semiten
überhaupt es festgestellt zu haben glaubt, sogar innerhalb desselben
Stammes?
Den inductiven, auf die Gleichheit der Völkerentwickelung ge-
stützten Beweis für die einstige Existenz des Mutterrechtes auch bei den
Germanen, den Darguns Schrift erbringen will, und um dessentwillen sie
für die Leser dieser Zeitschrift zunächst in Betracht kommt, hat sie
demnach nicht erbracht, weil sie die Möglichkeit offen lässt, dass die
Entwickelung von der Urfamilie zu den höheren Formen auch anders
als durch das Zwischenglied der Mutterverwandtschaft sich vollzog.
Dessenungeachtet bildet sie wegen der erstmaligen Berücksichtigung jenes
Ausgangspunktes und wegen ihrer Unterscheidung von Verwandtschaft
und Gewalt einen überaus werthvollen Beitrag zur Geschichte der Familie
überhaupt und zur Vorgeschichte der germanischen insbesondere.
Basel, im October 1893. Ulrich Stutz.

Dr. Richard Weyl, Die Beziehungen des Papstthums zum
fränkischen Staats- und Kirchenrecht unter den Karo-
lingern. Rechtsgeschichtliche Studie. (Untersuchungen
zur Deutschen Staats- und Rechtsgeschichte, herausgegeben
von 0. Gierke, 40. Heft.) Breslau, W. Koebner 1892.
XIII und 238 8. gr. 8.
Das vorliegende Buch, gewissermassen die Fortsetzung der ältern
Arbeit des Verfassers über das Staatskirchenrecht der Merowinger, giebt
eine übersichtliche und dankenswerthe Darstellung der Beziehungen des
römischen Stuhls zum Staat und zur Kirche der Franken unter der
Herrschaft der Karolinger.
Es legt von Neuem davon Zeugniss ab, mit welchem Geschick und
mit welcher Energie die Hausmeier und die ersten Könige aus diesem
Geschlecht trotz ihrem guten, mitunter sogar durch die Bande der Com-
paternität und der persönlichen Freundschaft gefestigten Verhältniss
zu den Päpsten und trotz ihrem lebhaften Interesse für die Kirche und
deren Gedeihen ihre Rechte zu wahren und fast alle Versuche zu ver-
eiteln wussten, die von dem Papstthum gemacht wurden, um seinen
tatsächlichen Einfluss im Frankenreiche zu einem rechtlichen auszu-
gestalten. So z. B. hinsichtlich der Besetzung der Bisthümer Würzburg
und Büraburg. Zacharias gebot nämlich im Jahre 743 in den Bestäti-
gungs-Urkunden für die neuen Bischöfe Burchard und Witta: ut nullus
audeat — iuxta sanctorum canonum traditione — ex alio episcopatu
ibidem translatari aut ordinare episcopum post vestram de hoc saeculo
evocationem, nisi is, qui apostolice nostrae sedis in illis partibus prae-
*) Die Ehe bei den Araber« in den Göttingischen gelehrten Nach-
richten 1893, Heft 11 S. 431 ff.

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