Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

7. Litteratur

7.1. Dr. Lothar Dargun, Studien zum ältesten Familienrecht. Erster Theil. Mutterrecht und Vaterrecht. Erste Hälfte. Die Grundlagen

Litteratur.

Dr. Lothar Dargun, Professor an der Universität Krakau,
Studien zum ältesten Familienrecht. Erster Theil. Mutter-
recht und Vaterrecht. Erste Hälfte. Die Grundlagen.
Leipzig, Duncker & Humblot 1892. 155 8. 8.
Der Grundgedanke dieses Buches ist der: Verwandtschaft und Ge-
walt müssen streng auseinandergehalten werden. Mutterrechtsverwandt-
schaft und Matriarchat, Agnation und Patriarchat sind keineswegs
identisch. Nur Vaterverwandtschaft und Mutterverwandtschaft, Vater-
gewalt und Gewalt der Mutter oder Mutterverwandten bilden feindliche
Gegensätze. Dagegen verträgt sich das Mutterrecht ganz wohl mit einer
stark entwickelten Vatergewalt.
Von diesem Grundgedanken ausgehend construirt Dargun die Ent-
wickelungsgeschichte der Familie folgen dermassen:
Die älteste positive Form der Familienverbindung war eine freilich
oft nur sehr vorübergehende Vereinigung eines Mannes mit einer oder
mehreren Frauen, in welcher dem erstem über die letztem und deren
Kinder keine Gewalt, sondern nur eine Sclmtzherrschaft zukam, und bei
der, trotzdem der natürliche Zusammenhang mit der Mutter und der
Zeugungsantheil des Vaters bekannt waren, eine eigentliche, d. h. die
thatsächliche Verbindung überdauernde Verwandtschaft zwischen Kindern
und Eltern nicht bestand und darum auch kein entwickeltes Verwandt-
schaftssystem, also weder Vater- noch Mutterrecht.
Daraus entwickelte sich zunächst, nicht in Folge des Zusammen-
lebens von Mutter und Kind und ebensowenig aus vorhandener Viel-
weiberei, sondern hauptsächlich wegen der Unsicherheit der Vaterschaft
ein wahres Verwandtschaftsverhältniss zwischen dem Kind und der
Mutter, das dann bald auf deren übrige Kinder sowie auf ihre Brüder
und Schwestern ausgedehnt und zu einem Verwandtschaftssystem durch
Weiber erweitert wurde.
Die Mutterverwandtschaft hatte aber auch die Tendenz, zur Mutter-
herrschaft zu werden, ln der That trat die Verwandtschaft bisweilen
vor der mütterlichen Gewalt so sehr zurück, dass die Adoption in Gens
und Familie von der Mutter mit der vollen Hechtswirkung der wirk-
lichen Geburt vorgenommen werden konnte, und dass Kinder von Neben-

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