Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

122 W. ▼. BrQnneck, Zur Geschichte des sg. magdeburger Lehnrechts.
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Gebrauch. Das ist der
Grund, warum daselbst sofort mit seiner Aufnahme zugleich
die Grundsätze des sächsischen Lehnrechts Anwendung fanden,
nach welchen damals der Deutsche Orden die magdeburger
Güter beurtheilte und behandelte, denn sein Verfahren diente
dem ermländischen Bischof und Domkapitel als Richtschnur.
Demnach wurden die Seitenverwandten ohne Ausnahme
von der Erbfolge ausgeschlossen. Einem Einrücken der Brüder
und Brudersöhne in einen erledigten Lehnsantheil wurde nur
stattgegeben, wenn sie mit dem verstorbenen Lehnsmann bis
zu dessen Tode das Gut in ungeteiltem Besitz gehabt hatten.
Sonst fiel beim Mangel männlicher Nachkommenschaft des
letzten Besitzers, oder, wenn dieser bei Verleihung zu beiden
Geschlechtern ohne überhaupt Kinder zu hinterlassen verstarb,
das magdeburger Gut an den Landes- und Lehnsherrn zurück.
Dennoch hat sich dieses den Agnaten ungünstige Erbrecht im
Ermlande nur für das schlechthin erteilte magdeburger Recht
zu behaupten vermochtl). Bei Verleihungen magdeburger Güter
zu beiden Kunnen oder zu beider Kinder Rechten wurde dort
nachmals den Agnaten die Erbfolge .eröffnet, sobald der ver-
storbene Lehnsmann weder Söhne noch Töchter hatte. Nur
mussten die so berufenen Seitenverwandten ihre Abstammung
vom ersten Lehnserwerber nachzuweisen im Stande sein2).
*) Ostpreuss. Prov.-Recht Zus. 67 §§ 2—4. — *) Ostpreuss. Prov.-
Recht Zus. 67 §§ 5—7.

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