Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 15 (1894))

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Wilhelm von BrQnneck,

greifens der Gesetzgebung, sondern vermöge eines sich allmälig
bildenden Gewohnheitsrechtes.
Das neue Gnadenprivileg war allein dem Adel des Landes
ertheilt. Nur Mitglieder dieses Standes sollten an dem magde-
burger Recht theilhaben in der Form und Gestalt, welche der
Herzog Albrecht ihm damals gegeben hatte. Daran wurde nun
aber in der Folgezeit nicht streng festgehalten. Nachdem
zuerst in einzelnen Fällen Vasallen nichtadeligen Standes mit
Gütern zu magdeburger Recht im Anhalt an die Vorschriften
des Gnadenprivilegs von 1540 belieben warenl), geschah solches
später öfters und zu wiederholten Malen. Daraus entwickelte
sich die Vorstellung und wurde endlich zur massgebenden und
herrschenden Ansicht, dass das magdeburger Recht von der
Beschaffenheit und Bedeutung, welche es seit dem Gnaden-
privileg angenommen hatte, nicht nothwendig den adeligen
Stand des beliehenen Grundbesitzers voraussetze und erfordere,
sondern allein von dem Umstande abhänge, ob das Lehngut
mit adeligen Gerechtigkeiten verliehen und darum für ein
adeliges zu erachten sei, einerlei, wer es habe, ein Adeliger
oder eine Person bürgerlichen Standes2).
Sehen wir ab von der Ausdehnung, welche die Vorschriften
des Gnadenprivilegs auf diese Weise erfuhren, so schliesst die
Geschichte des magdeburger Rechts im Herzogthum und nach-
herigen Königreich Preussen bis zur Allodification der Lehen
in den wichtigsten Punkten mit den Anordnungen ab, welche

’) Schon der Herzog Albrecht verlieh einmal oder das andere Mal
magdeburger LehngQter mit Bewilligung der im Gnadenprivileg ent-
haltenen Rechte an Leute nichtadeligen Standes. 8. die Urkunde vom
Jahre 1550 (Pomesan. U.-B. Nr. 244). Der Felix Zasin (Tzaschen) hatte
mit lehnsherrlicher Bewilligung vom Bischof Paul Speratus von Pome-
sanien zu einer Zeit, als das Bisthum bereits säcularisirt war, das Gut
Zadelen (Sadlin) von 13 Hufen gekauft. Er wurde darauf mit demselben
vom Herzog belieben und ihm zugleich die Zusicherung ertheilt, er und
„seiner nachkomelinge tochter“ sollten „vehig sein — der Begnadigung
vnsern getreuen unterlassen von der Landschaft gethan“. Das Gut
Zadelen (Sadlin) bildete vordem ein Zubehör der grösseren zu magde-
burger Recht besessenen Begöterung Michelau, welche Paul Speratus im
Jahre 1546 mit herzoglicher Genehmigung durch Kauf an sich gebracht
hatte. Vgl. Pomes. U.-B. Nr. 217. — *) Ostpreuss. Prov.-R. Zus. 31 §§ 2—4.
Zus.43. §§9—14.

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