Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 22 (1901))

e

Wilhelm von Brünneck,

Wenn es da heisst: „welher ain hagestoltz ist, er sy wyb
oder man; wen der abgät, so ist das vamde guot geyallen
dem Gotzhus und das gelegen den fründen“1), so ist der
Zweifel wegen des Geschlechts des Hagestolzen gehoben.
Unverheirathete Weiber werden nicht anders wie Jung-
gesellen als Hagestolze behandelt. Daher fallt, wenn sie
sterben ebenso wie beim. Tode unverehelichter Männer, der
Nachlass, soweit er in Fahrhabe besteht dem Gotteshause
zu, und in das liegende Gut allein eröffnet sich den Bluts-
freunden die Erbfolge. Dass übrigens auch im Herrschafts-
bereiche der Abtei St. Gallen der Begriff des Hagestolzen
auf ehelose Leute beiderlei Geschlechts erstreckt wurde,
und es daher wohl nur in einer Ungenauigkeit der Wort-
fassung beruht, wenn die Handveste von 1291 bloss von
Junggesellen sprach, zeigt die Öffnung über die Rechte des
Abtes und Klosters St. Gallen beim Tode lediger Hof-
angehöriger zu Bernang vom 25. Mai 1388. Zugleich aber
erhellt aus diesem Weisthum, dass der Hagestolzenbegriff
hinwiederum auch eine Einschränkung erfuhr. Nicht allen
ledigen Leuten wird darin nämlich die Eigenschaft des Hage-
stolzen beigelegt, sondern nur solchen „Töchtern“ und
„Knaben“, welche sich mit ihren Schwestern oder Brüdern
auseinandergesetzt und das Vater- oder Muttererbe mit
diesen getheilt haben. Kein Hagestolzer im Rechtssinne
ist demnach ein Eheloser, der nach dem Tode des Vaters
(oder beider Eltern) sich noch in Gemeinschaft der Were
und der Güter mit den Geschwistern befindet2).

zu Stein am Rhein“ zusammen mit einer Anzahl von Urkunden ab-
drucken lassen. Das Datum fehlt. Doch wird man wegen ihrer nahen
Verwandtschaft mit dem St. Galler Recht annehmen dürfen, dass ihre
Aufzeichnung im letzten oder vorletzten Jahrzehnt des XIII. Jahrhunderts
erfolgt ist. Der Herausgeber reiht sie einer Urkunde vom 3. April
1287 an.
*> Vetter a. a. 0. 8. 67. — *) U.-B. der Abtei St. Gallen IV
Nr^l"964 S. 868 — 869: „Ich Heinrich Enobloch burger ze Sant Galle,
tfin kunt und vergich — mit diesem brieve —, daz für mich kam ze
Bernang in dem Rintal, an dem nächsten mäntag vor ünsers Herren
fronlichamstag, do ich an stat und in namen Johansan Valken, ainmans
da selbe ze Bernang und von siner bet wegen ze einen offen gebannen
maijen gericht offenlich ze geriht saz — der — amman Johans Valk

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