Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Germanistische Abteilung (Bd. 22 (1901))

5. Zur Geschichte des Hagestolzenrechts

I.

Zur Geschichte des Hagestolzenrechts.
Yon
Herrn Professor Dr. jur. Wilhelm von Brünneck
in Halle a. 8.
Die Bezeichnung hagestald (hagastald, hagustald) für
den Bhelosen gehört schon dem früheren Mittelalter an1).
In der technisch - juristischen Bedeutung, derzufolge man
darunter einen Ehelosen versteht, dessen Nachlass dem erb-
losen Gut gleich behandelt wird und Gegenstand des Heim-
fallsrechts ist, kommt dahingegen das Wort Hagestolz, in
welche Nebenform hagestald volksetymologisch umgewandelt
wird, erst verhältnissmäfsig spät auf. — Das meines Wissens
älteste deutsche Rechtsdenkmal, welches sich mit den Ehe-
losen und ihrem Nachlass beschäftigt, ist das Recht des
schwäbischen Klosters Weingarten und seiner Zinsleute2).
Dessen Aufzeichnung geschah um das Jahr 1094. Damals
beschloss Welf I.* *) mit Zustimmung seiner Gemahlin Judith
und seiner Söhne Welf und Heinrich im Interesse des
Klosters, dessen Schutzherr er war, es niederschreiben zu
lassen. Der so fixirte Rechtsstoff selbst aber ist älter. Er

*) 8. das dem Rhabanus Maurus zugeschriebene lateinisch-deutsche
Glossar, welches Joh. Diecmann herausgab und erläuterte (Bremen,
1721) p. 58 und vgl. damit Kluge, Etymol. Wörterbuch beim Worte
„Hagestolz“. — *) Den neuesten Abdruck giebt das W&rttembergische
Urkundenbuch I Nr. 244 8. 800—301. Aeltere Abdrücke s. bei Kind-
linger, Hörigkeit Urkb. Nr. 2 und Grimm, Weisthümer IY 8. 619. —
*) Welf I. (der Familienreihe nach der IY.) war von 1070—1077 und
später noch einmal von 1096 bis zu seinem Tode im Jahre 1101
Herzog von Baiern.
Zaitechrift Ar Bachtageschichte. HU. Garn. Abth.

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