Armenpflege in England. 3oi
Moralität der unteren Yolksldassen eher nachtheilig als vor-
theilhaft wirke. Man gestatte den Arbeitsleuten, sich am
Sonntage, nach beendigtem Gottesdienste, auch geräusch-
vollen Vergnügungen hinzugeben. Sie werden dann, in der
Aussicht auf den Sonntag, die Werktage über desto fleifsi-
ger arbeiten. Der Sonntag der Christen soll auch ein Freu-
dentag seyn. Freilich, wer die Armen unterhalten mufs,
wird sich auch für berechtiget erachten, diejenigen zu be-
vormunden , die er zu unterhalten dereinst genöthiget seyn
kann.
Dagegen möchte d i e Klage nur zu gegründet seyn,
dafs an mehreren Orten das Wildern, •(poaching,) durch
seinen Einllufs auf den Charakter und sonst, zur Vermeh-
rung der Zahl der Armen besonders beitrage. Das Wil-
dern gewöhnt an den Müfsiggang. Auch ist der, welcher
die Nacht über herumgeschweift ist, weder geneigt noch
geschickt, den Tag darauf zu arbeiten. (8. 94* »42)
II. Von den Folgen,
welche
die Ärniuth in England hat.
W ie die Ursachen, so sind auch die Folgen der Ar-
muth ihrem allgemeinen Charakter nach überall diesel-
ben. Überall, wo ein Th eil der Nation verarmt ist, ist
nicht nur die Klasse der Armen , sondern auch die Nation
überhaupt in einer unheimlichen Lage. Doch der Grad,
bis zu welchem das Übel bei einer Nation gestiegen ist ,
und eben so die Art, wie es mit dem gesammten Zustande
der Nation verwebt ist, machen den Unterschied. Daher
durfte der Gegenstand, welchen die Überschrift dieser Ab-
theilung bezeichnet, nicht unberücksichtigt bleiben.
Zuvörderst von den moralischen Folgen d. i. von
dem Einflüsse der Armuth auf den Charakter. — Alle
die, welche den Charakter der Armen zu erforschen Ver-