Full text: Archiv für das Zivil- und Kriminalrecht der Königlich-Preussischen Rheinprovinzen (Bd. 93 = N.F. Bd. 86 (1898))

1. Abthlg.

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Bei der Berathung im Abgeordnetenhause hat der Re-
gierungskommissar erklärt, daß durch die vorgeschlagene Wort-
fassung „ lediglich der s ch o n j e tz t b e st e h e n d e Z u st a n d
noch schärferen Ausdruck habe finden sollen, daß nicht allein
gerichtliche, sondern auch privatschriftliche Schenkungs-
urkunden dem Stempel unterworfen sind". Gegen diese Auf-
fassung ist ein Widerspruch von keiner Seite erhoben worden
(vergl. den Bericht der Kommission in Bd. V der Anlagen zu
den stenogr. Berichten der Legislaturperiode 1895 S. 2687
unten; Noelle, das Stempelsteuergesetz vom 31. Juli 1895,
Anm. 3 zu Tarifnummer 56 S. 200; Severin, die Preußischen
Stcmpelabgaben, Anm. 3 zu § 4 des Erbschaftsstcuergesetzes
S. 516, Anm. 5a, 7, 8, 9 S. 517; Anm. 12 S. 508;
^einitz, Komm, zum Preuß. Stempelsteuergesetz, Anm. II1
und 2 zu Nr. 56 des Tarifs S. 354, Anm. III1 S. 357
bis 359, Anm. V S. 362; Hoyer-Gaupp, die Preuß. Stempel-
gesetzgebung, zu Z 4 des Erbschaftssteuergesetzes S. 1008 und
folg., Anm. 14a, 14a Abs. 2, 15b, 15o, f, g1, g2, g3, 1,
m1, in2, m3, 16a und e S. 1021).
Die Rechtsprechung, insbesondere auch die des Reichs-
gerichts, steht, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf dem
hier vertretenen Standpunkte (vergl. Just.-Min.-Bl., Jahrg.
1881 S. 7, 1882 S. 19, 1887 S. 71, 1894 S. 323;
ferner Entscheid, des Reichsger., Bd. 25 S. 323, Gruchot,
Beiträge, Bd. 31 S. 729 und Rhein. Archiv, Bd. 83. 2
S. 309).
Ist aber lediglich die schriftliche Beurkundung maßgebend,
so versteht es sich von selbst, daß eine Annahmeerklärung
nicht Voraussetzung der Stempelpflicht ist (vergl. hierzu Noelle,
a. a. O. Abs. 2; Severin a. a. O. Anm. 4).
Es kann somit, vorausgesetzt, daß an und für sich eine
Beurkundung im Sinne des Gesetzes vorliegt, die Stempel-
freiheit einer Schenkungsbeurkundung nicht darauf gestützt
werden, daß die Urkunde nicht in der nach den Art. 931,
932 des B. G.-B. vorgeschriebenen Form errichtet worden sei,
oder nur ein einseitiges, nicht angenommenes Schenkungs-
versprechen enthalte und aus diesen Gründen Rechte und Ver-
bindlichkeiten nicht erzeugen könne.
Zwar ist nicht jede Urkunde im weitesten Sinne, welche
eine Schenkung enthält, als eine stempelpflichtige anzusehen.

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