Full text: Archiv für das Zivil- und Kriminalrecht der Königlich-Preussischen Rheinprovinzen (Bd. 77 = N.F. Bd. 70 (1887))

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Verwaltungsbeamten als Generalprokurator beziehungsweise
Ober Prokurator stellte, blieb Heimsoeth auch als Erster Präsident
der Rechtsprechung erhalten.
Es war ein schwer zu ersetzender Verlust für die Recht-
sprechung des rheinischen Rechts, daß Heimsoeth bei der Reorga-
nisation im Herbste 1879 in seiner nunmehrigen Stellung als
Oberlandesgerichtspräsident der richterlichen Thätigkeit vollständig
entzogen und ausschließlich in den Geschäften der Justizver-
waltung thätig wurde.
Andererseits hat aber diese letzte Amtsthätigkeit Heimsoeth's
erst recht die Tüchtigkeit und Lauterkeit seines Charakters, wie
seine, beispiellose Pflichttreue vor aller Augen gestellt. Hat
Heimsoeth während seines ganzen Lebens sich unermüdlich in
Erfüllung seiner Amtspflichten gezeigt, und ist er von jeher ganz
in seinen Amtsgeschäften aufgegangen, so war das während
der sieben Jahre, welche er dieses einfluß- und verantwor-
tungsvolle, für die ganze Provinz hochbedeutsame Amt führte,
in besonders hohem Maße der Fall. Die mit dem Amte eines
Oberlandesgerichtspräsidenten verbundene ganz außerordentliche
Menge theils höchst wichtiger, theils nebensächlicher Verwal-
tungsgeschäfte belastete ihn bei seiner peinlichen Gewissen-
haftigkeit, welche nichts leicht nahm und auch das kleinste Amts-
geschäft mit der gleich eingehenden Sorgfalt, wie die wichtigsten
Angelegenheiten behandelte, bei seiner aus der langjährigen
Rechtsprechung in die Verwaltungsgeschäfte übernommenen kri-
tischen Neigung und dem Wunsche, alles selbst zu machen, mit
einer Arbeitslast, der nur seine außergewöhnliche Arbeitskraft
und seine Fähigkeit, der Erfüllung der Amtspflichten die Verfolgung
aller anderen Lebensinteressen hintanzusetzen, gewachsen war.
Seine Anhänglichkeit an die rheinischen Rechtsinstitutionen
erklärt die befremdende Thatsache, daß der Mann, der im
kräftigen Mannesalter mit energischer Hand, die mitunter von
Anderen als zu gewaltthätig empfunden sein mag, für eine
gemeinsame Deutsche Gesetzgebung und für den Grundsatz, daß
diesem hohen Gute die besonderen Wünsche im Einzelnen zum
Opfer gebracht werden müßten, gearbeitet und gekämpft hatte,
am Abend seines Lebens, als die gemeinsame Gesetzgebung sich
weitere Gebiete eroberte und ein einheitliches Prozeßverfahren
für das ganze Deutsche Reich geschaffen wurde, diesem großen
Gesetzgebungswerke, weil es von dem rheinischen Prozeßver-

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