Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 58 (1914))

21.33. Zur Frage des ursächlichen Zusammenhanges im Falle der sog. traumatischen Neurose

Ursächlicher Zusammenhang.

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Beklagte mit weiteren Fälschungen des B. rechnete und das Bewußt-
sein möglicher Schädigung der Wechselnehmer besaß. Ungeachtet
dieses Ausspruchs lehnt der Berufungsrichter eine Verpflichtung des
Beklagten, die ihm als diskontierende Bank bekannte Klägerin zu
warnen, ab, weil Beklagter durch Aufdecken der Fälschungen den
Zusammenbruch und damit eine Schädigung der Gläubiger des B.
herbei geführt haben würde.
Diese Erwägung ist nicht haltbar. Denn allein darauf kommt
es an, daß der Beklagte das Bewußtsein besaß, es würden die
Nehmer der Wechsel, die infolge seines Verhaltens an die Echtheit
der Wechsel glaubten, geschädigt werden. Mit dem Inverkehrbringen
neuer gefälschter Wechsel rechnete aber der Beklagte. Wenn der Be-
rufungsrichter hinzufügt, solange B. noch Geld schickte, habe der
Beklagte an ein Überstehen der Notlage glauben können, so rechnete
dieser doch auch mit dem möglichen Zusammenbruche.
Der Berufungsrichter zieht hier auch den feststehenden Umstand
nicht in den Kreis seiner Erwägungen, daß die Klägerin den Be-
klagten am 17. Februar 1911 brieflich gefragt hat, ob die damals
laufenden (ebenfalls gefälschten) Wechsel in Ordnung gingen, und
daß der Beklagte bejahend antwortete. Durch diese Antwort mußte
die Klägerin, wie sie behauptet, in Sicherheit gewiegt werden. Dieses
Umstandes hätte sich der Beklagte, wie die Klägerin meint, erinnern
müssen, um die Klägerin rechtzeitig zu verständigen, daß er die von
ihm vorausgesehenen weiteren Fälschungen nicht mehr durchgehen
lassen werde. So ergibt sich die Aufhebung des Urteils und die
Zurückverweisung.

Nr. 88.
Zur Frage des ursächlichen Zusammenhanges im Falle der sog. trauma-
tischen Neurose.
BGB. § 823.
(Urteil des Reichsgerichts (VI. Zivilsenats) vom 5. Februar 1914 in Sachen
P., Klägers, wider H., Beklagten. VI. 549/13.)
Die Revision des Klägers gegen das Urteil des großherzoglichen
Oberlandesgerichts zu Oldenburg ist zurückgewiesen.
Tatbestand:
Der Kläger wurde in der Nacht vom 17. zum 18. Februar 1910
in einer Wirtschaft in S., wo beide Parteien an einem Balle teil*
nahmen, bei einem zwischen ihnen entstandenen Streite von dem Be-

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