Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 50 (1906))

11.5. v. Alberti, Eigenmächtige Unrechtshemmung

v. Alberti, Eigenmächtige Unrechtshemmung rc.

43S

machen, erscheint nicht angebracht; den Lesern der Beiträge dürste
mehr durch einen Überblick über den reichen Inhalt des Buches ge-
dient sein.
Das Buch zerfällt zunächst in zwei große Teile, die Materials-
sammlung und den systematischen Teil. Im ersteren, etwa 100 Seiten
umfassenden Teile wird zu den Begriffen: Verschulden, unverzüglich,
Vorsatz, Fahrlässigkeit, Kennenmüssen, Bösgläubigkeit, Außerachtlassung
der Sorgfalt, Hinterlist, Verheimlichung, Mißbrauch, Drohung, Undank
und noch einigen anderen, deren Auszählung ermüden würde, aus dem
BGB. zusammengetragen, was sich irgendwie dort findet, diese meist
terminologischen Untersuchungen über die einzelnen Worte stellen eine
Vorarbeit des Vers, für den systematischen Teil dar und sind auch vom
Leser gewissermaßen nur als Ouellensammlung zu den einzelnen späteren
Abschnitten zu betrachten. Der systematische Teil beginnt sodann mit
einer bald 400 Seiten zählenden „Bestimmung der Begriffe", in der
— soweit möglich anknüpfend an die authentischen Definitionen und Muster-
beispiele des Gesetzes — die in den ersten 29 Paragraphen zusammen-
gestellten Begriffe gegeneinander abgegrenzt und miteinander ver-
glichen werden. Das zweite Kapitel des systematischen Teiles ist das
wertvollste des ganzen Werkes. Hier wird als Ergebnis der vorauf-
gegangenen, etwas weitschweifigen und nicht leicht lesbaren Erörterungen
eine Aufstellung des geschlossenen Systems der Verschuldensbegriffe ge-
geben.
Weyl unterscheidet (.'>07 ff.) zwischen einem Verschulden im engeren
Sinne und einem Verschulden im weiteren Sinne und definiert ersteres
als „das eine Belastung des moralischen Kontos aufweisende Verhalten".
Das Verschulden im engeren Sinne möchte er statt in Vorsatz und Fahr-
lässigkeit in Vorsatz und „Sorgfaltsvernachlässigung" zerlegt sehen. In
Form eines Schemas gibt Verf. 510 das Verhältnis der einzelnen Ver-
schuldensfälle wieder und beleuchtet sodann die sich aus seiner Einteilung
ergebenden praktisch wichtigen Konsequenzen. Anläßlich der Erörterung
der Frage, welche Stellung dem Verschulden im Rechtssystem einzuräumen
sti — Verf. hält den allgemeinen Teil für den richtigen Platz —, be-
kämpft Weyl auch die von Zitelmann aufgestellte Theorie des „Ver-
schuldens gegen sich selbst", auf die aber hier, da es sich um rein
theoretische, für die Praxis nicht stuchtbare Erörterungen handelt, nicht
weiter eingegangen werden soll. Aus dem letzten Abschnitt über die
Theorie des Verschuldens sei besonders auf den das konkurrierende Verschulden
behandelnden § 79 hingewiesen. Äußerst fleißig gearbeitete Register —
Sachregister, Judikatsregister und Quellenregister —, die zur Benutzung
des Buches allerdings auch sehr notwendig sind, bilden den Schluß.
Berlin. _ 0r. Th. Olshausen.

44.
LigenmSchtige «nrrchtshrmmung, abgesehen von Notwehr und Notwehr-
Hilfe. Von R O. v Alberti, Hilfsrichter in Freudensladt. Stuttgart
1904. W. Kohlhammer. (M. 1,50.)

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