Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 27 = H. 53/54 (1826))

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setzgebung volle Gerechtigkeit wiederfahren, und wird
die Preußische Regierung gewiß ihren alten Ruhm auch
hier behaupten, und das wahrhaft Gute, wo es sich fin-
det, benutzen. Allein von solchen einzelnen Bestim-
mungen ist hier die Rede nicht, sondern von der All-
gemeinheit jener Gesetzgebung. Und darüber strei-
tet und rechtet Referent nicht mit entschiedenen Anhän-
gern derselben. Dies ist wirklich reine Geschmackssache.
Giebt es ganze Völkerschaften, die gar keine Justiz mö-
gen, warum sollte es nicht auch einzelne Menschen geben,
welche glauben, sie könne am zweckmäßigsten durch
rechtsunwissende, selbst ungebildete Menschen ausgeübt
werden? Dies ist doch wenigstens ein Grad höher, als
derjenige, auf welchem jene Völkerschaften stehen. Giebt
es ganze Völkerschaften, welche Uccheile, die aus blinder
Leidenschaftlichkeit hervorgehen, dennoch als Rechtsur-
iheile verehren, warum sollte es an Menschen fehlen, wel-
che Erkenntnisse, die aus blos subjectior Ansicht hervvr-
gehen, als Rechtsurtheile verehren? Sie bilden wenig-
stens eine Mittelstufe zwischen jenen und denjenigen,
welche nicht »ach subjective« Menschen- Ansichten, son-
dern nach Gesetzen gerichtet fein wolle», und so finden wir
hier den Naturzustand, das Mittelalter und das civilisir-
tere'neue Zeitalter zusammengestellt. Giebt es ganze
Völker, welche die grausamsten Gesetze haben, so können
Individuen wohl draconiscke für besser halten, als mil-
de, und wenn Hinrichtungen für gewisse Völkerschaften
Freuden- und Festtage sind, warum sollten nicht einzelne
Menschen ein dramatisches Kriminal-Verfahren preisen?
Dies und so vieles andere sind lediglich Geschmackssa-
chen, de quibus non est disputandum. Referent für
seine Person kann ihnen keinen Geschmack abgewinncn,
und bleibt bei seiner unmaaßgeblichen Meinung, daß
Schuster und Schneider, eben so unfähig sind, über
Schuld und Unschuld, und über oorpus delicti nur ir-
gend mit Sicherheit zu urtheilen, als Richter und Fa-
kultäten tüchtigerweise Schuh und Kleider machen kön-
nen. Sollten wir einst dahin kommen, diese uns bei un-
ser« Tribunalen und Juristen - Fakultäten zu bestellen,
so mögen wir in Gottes Namen en revanche unsre
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