Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

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Beiträge zu der Lehre

den Berechtigten zugleich die Verpflichtung begründet hat, sich seines
Rechtes zu Gunsten Desjenigen zu begeben, der durch die Einschrei-
bung desselben verletzt worden ist? Auf das Eigenthum angewendet:
Darf die Eintragung des Eigenthumsüberganges als unrichtig
nur dann bezeichnet werden, wenn sie auf Grund einer nichtigen
Auflassung stattgefunden, dem voreingetragenen Eigenthümer also
das Eigenthum nicht entzogen hat, oder auch dann, wenn die Auf-
lassung nur anfechtbar oder unwirksam gewesen, der Eingetra-
gene daher zwar Eigenthümer geworden, aber zur Wiederauflassung
des Eigenthums an den Veräußerer persönlich verpflichtet ist?
Geht man davon aus, daß das Eigenthum das Endergebniß der
obligatorischen Beziehungen der Betheiligten zu einander, und zwar
das selbstständige, von diesen Beziehungen unabhängige Ergebniß ist,
so muß man auch anerkennen, daß es von den persönlichen Ver-
pflichtungen des Eigenthümers nicht beeinflußt wird, sofern denselben
nicht etwa durch eine Vormerkung dingliche Wirkung verschafft wor-
den ist. Man kann daher bloß deshalb, weil der Eigenthümer durch
sein Verhallen vor der Eintragung die Verpflichtung überkommen
hat, das Eigenthuln seinem Auktor zurückaufzulassen, nicht sagen,
das Grundbuch, welches ihn noch als Eigenthümer ausweist, sei un-
richtig. Dje herrschende Meinung geht denn auch dahin, daß der
redliche Glaube eines Dritten an die Richtigkeit des Grundbuches
überhaupt nur in Frage gezogen werden kann, wenn gegen den
Rechtsurheber des Dritten, der Eintragung desselben ungeachtet, der
Anfechtungsberechtigte die dingliche Klage gehabt hat, daß dagegen,
wenn die Klage nur eine persönliche (eonäietio) ist, die Anfecht-
barkeit der Einschreibung die Richtigkeit des Grundbuches nicht aus-
schließt. 82) Nach dem Allg. Landrecht freilich konnte Niemand, der
das Recht eines Anderen „zur Sache" kannte, zum Nachtheil dieses
Rechtes durch Eintragung ein Recht erwerben. 83) Aber das Gesetz
über den Eigenthumserwerb re. vom 5. Mai 1872 hat diesen Stand-
punkt verlassen. Hierauf deutet schon der § 10 dadurch, daß er
die Anfechtung der Eintragung des Eigenthumsüberganges auch auf
Grund des Rechtsgeschäfts, in dessen Veranlassung das Eigen-
thum aufgelassen ist, für statthaft erklärt, also die Hauptfälle, in

82) Förster, Theorieu. Pr. 3 (3. Ausl.) S. 233; Dernburg 8 201 S. 421.
*>) Allg- Land-R- I. Tit. 2 §§ 125 ff., Nt. 10 8§ 10, 11, 24, 25.

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