Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

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Beiträge zu der Lehre

die von dem obligatorischen Veräußerungsgeschäft losgelöste, „auf
das Geben und Nehmen des Rechts an der Sache gerichtete, in dem
Geben und Nehmen des Körpers der Sache ihren Ausdruck findende"
Willenseinigung des Veräußerers und des Erwerbers als Eigen-
thumsübertragungsvertrag, als dessen nothwendige Form er
die Besitzübertragung hinstellt. Zur Erläuterung dieser Konstruktion
sagt er:
„Die Tradition ist hier als die Form des Vertrages bezeichnet
worden. Abzuweisen ist die Vorstellung, als wenn sie nur etwas
zu dem Eigenthumsübertragungsvertrag Hinzukommendes, denselben
Vollendendessei. Sie ist der Eigenthumsübertragungsvertrag; ohne
sie ist derselbe ohne alle rechtliche Bedeutung oder hat höchstens
obligatorische Wirkung. Auch wenn der Eigenthumsübertragungs-
vertrag der Tradition vorhergeht, wird er in der Tradition wieder-
holt." 37)
Auf diese Weise kann man durch Abstraktion aus den realen
Vorgängen bei der Übertragung des Eigenthums in der Regel drei
Momente unterscheiden: das Rechtsgeschäft, durch welches der Ver-
äußerer zur Tradition bestimmt wird, — den obligatorischen Ver-
trag; die Vereinigung des Willens beider Theile dazu, daß Eigen-
thum übergehen solle, — den dinglichen Vertrag; und die Tradition
als die Form, in welcher dieser Wille sich verkörpert.
o. Die Bedeutung der Auslassung für de» Eigeuthumsubergang.
Knüpft man den Uebergang des Grundeigenthums nicht an die
Tradition, sondern an die Eintragung in einem öffentlichen Buche,
so muß die aus die Veräußerung und die Erwerbung gerichtete
Willenseinigung in jedem einzelnen Falle sestgestellt werden. Die
meisten Gesetze, denen das Eintragungsprinzip zu Grunde liegt, ver-
pflichten deshalb die Buchbehörde zu einer eingehenden Prüfung der
zwischen den Betheiligten vorhandenen obligatorischen Beziehungen.
Nur wenn sich hierbei ergiebt, daß beide Theile, vorausgesetzt daß
sie ihren Willen dem Rechte gemäß bestimmen, den Uebergang des
Eigenthums wollen müssen, darf die Eintragung erfolgen. Ein
solches Verfahren aber ist mit mancherlei Unzuträglichkeiten ver-

reichischem und gemeinem Recht (1867) S. 10 ff., bestimmt die Tradition als „ver-
tragsmäßigen Erwerb eines dinglichen Rechts in der Form der Besitzergreifung,
welche der Erwerber mit Zustimmung des Auktors vollzieht."
3') Siehe Anm. 36.

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