Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

von der Auflassung des Eigenthums.

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Eine Konsequenz der Verlegung der eaiwa. der Eigenthumsüber-
tragung in die Tradition ist die Vertragsnatur der letzteren, v. Sa-
vigny äußert sich hierüber wie folgt:
„Die wichtigste und umfassendste unter allen Willenserklärungen
ist der Vertrag, d. i. die Vereinigung Mehrerer zu einer über-
einstimmenden Willenserklärung, wodurch ihre Rechtsverhältnisse
bestimmt werden .... Hauptsächlich kommt der Vertrag vor bei
den Obligationen, und zwar vor Allem zur Begründung derselben
(obligatorische Verträge), ebenso aber auch zur Auflösung der
Obligationen. Ferner im Sachenrecht, und zwar gleichfalls in
der ausgedehntesten Anwendung. So ist die Tradition ein
wahrer Vertrag, da alle Merkmale des Vertragsbegriffes
darin wahrgenommen werden: denn sie enthält von beiden Seiten
die auf gegenwärtige Uebertragung des Besitzes und des Eigen-
thums gerichtete Willenserklärung, und es werden die Rechtsver-
hältnisse der Handelnden dadurch neu bestimmt. Daß diese
Willenserklärung für sich allein nicht hinreicht zur vollständigen
Tradition, sondern die wirkliche Erwerbung des Besitzes, als äußere
Handlung, hinzutreten muß, hebt das Wesen des zum Grunde
liegenden Vertrages nicht aus/"ft
Mit dieser Unterordnung der Tradition unter den Vertragsbegriff
sind natürlich diejenigen nicht einverstanden, welche in der Uebergabe
lediglich eine Thatsache erblicken, die ihre Bedeutung für die Ver-
äußerung erst durch das ihr vorangehende oder folgende Rechts-
geschäft erhält.35) Der neueren Doktrin des römischen Rechts ist
indeß die Theorie vom dinglichen Vertrage und ihre Anwendung
auf die Tradition meist völlig geläufig.^) Wind scheid konstruirt

34) v. Savigny, System 3 § 140.
35) Auf diesem Standpunkte stehen: Gesterding, ausführliche Darstellung
der Lehre vom Eigenthum (1817) S. 125 ff.; W. Sell, über bedingte Traditionen
(1839) S. 8ff.; Puchta, Pandekten 8 148, Vorlesungen § 148, Inst. § 241;
». Scheurl, Beitr. zur Beatk. des römischen Rechts (1853) Nr. VIII Sachen-
erwerb S. 190ff, 205; Lenz, Studien und Kritiken rc. (1847) S. 169, das
Recht des Besitzes (1860) S. 56; Förster, Theorie u. Praxis 8s 160 u. 178
(3. Aust.) Bd. 3 S. 44, 45, 219, 220; Bremer in der Zeitschrift für Civilrecht
und Prozeß, N. F. 20 S. 57 ff.
33) Pagenstecher, die römische Lehre vom Eigenthum Abth. 2 (1858)
S. 193ff.; Sintenis, praktisches gemeines Civilrecht 1 S. 178; Koch, Lehrb.
des preußischen Privatrechts 1 8 252 und Kommentar zum Allg. Landrecht Th. I.
7 §58; Unger, System des österreichischen Privatrechts 2 S. 170.
36) Windscheid, Lehrbuch des Pandektenrechts § 171 Rote 3 Bd. 1 (4. «ufl.)
S. 533 ff. — Exner, die Lehre vom Rechtserwerb durch Tradition nach öfter-

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