Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 21 = 3.F. Jg. 1 (1877))

20

Beiträge zu der Lehre

gefaßt, die andere Seite dagegen, das körperliche Moment, nicht in
Rechnung gezogen hat. Es kann zugegeben werden, daß dieses Mo-
ment im praktischen Leben bei Immobilien verschwindet. Für die
juristische Konstruktion ist es nichtsdestoweniger von Bedeutung.
Hält man dies fest, so ist es auch ungenau, wenn man sagt, die
Auslassung stehe auf gleicher Linie mit der Tradition. Die Auf-
lassung entspricht vielmehr der in der Form der Uebergabe bethä-
tigten Willenseinigung des Tradenten und des Erwerbers. Mit der
Uebergabe selbst, dem Geben und Nehmen des Grundstücks, kann
nur die Eintragung im Grundbuche verglichen werden. Wir wer-
den sehen, daß man von diesem Standpunkt juristisch die Sache
sich so zurecht legen kann, daß man sagt: die Auflassung über-
trägt das Eigenthum, allerdings nur, wenn die Form der Eintra-
gung beobachtet ist.
b. Die Traditio» als Mittel zur EigeuthumSübertragung.
Das römische Recht läßt bekanntlich das Eigenthum durch Tra-
dition der Sache von dem bisherigen Eigenthiimer auf den Erwer-
ber übergehen. Die Quellen äußern sich darüber wie folgt:
L. 40 Inst. 2. 1: Per traditionem quoque jure naturali res
nobis acquiruntur. Nihil enim tam conveniens est naturali aequi-
tati, quam voluntatem domini volentis rem suam in alium trans-
ferre ratam haberi.
L. 20 Cod. de pactis 2. 3: Traditionibus et usucapionibus,
non nudis pactis dominia rerum transferuntur.
L. 31 pr. Dig. de acqu. rer. dominio 41. 1: Nunquam nuda
traditio transfert dominium, sed ita, si venditio, aut aliqua justa
causa praecesserit, propter quam traditio sequeretur.
Aus diesen Aussprüchen ergiebt sich, negativ, daß der bloße Ver-
trag ebensowenig wie die bloße Uebergabe den Uebergang des Eigen-
thums zu bewirken im Stande ist, positiv, daß die Uebergabe nur
in Verbindung mit einer justa causa das Eigenthum überträgt.
Die Streitfragen, welche hieran sich knüpfen, beziehen sich haupt-
sächlich auf die justa causa. Zn der Stellung zu diesen Fragen schei-
den sich die Rechtslehrer28) sowohl wie die Gesetzgeber in zwei Gruppen.
28) Vergl. die Aeußerungen verschiedener Rechtslehrer über die causa tradi-
tionis in diesen Beiträgen (Grucho t, Glossen zum Allg. Landrecht) Zahrg. 8
S. 402 ff.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer