Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 63 = H. 125/126 (1844))

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Verlegung der vom Geheimen Rath Scholtz behaupteten
konstanten Praxis des Kammergerichts und Pupillen-Kol-
leg» beizubringen. Dahin gehört
1. Die schon in dem Berichte vom 6. Dezember pr.
zu 5. gedachte Petcrsdorfffche (nicht Petcrshagenfche) Lehns-
fiammssache,- auf welche wir wegen ihrer besonderen Er-
heblichkeit hier nochmals zurückkommen.
Auf dem in der Mittelmark — im Lebuser Kreise
bclegencn Gute Petersdorff haftete ein auS diesem - Gute,
einem ehemaligen Lehngute, herrührenden Lehnstamm für
die v. Strantzsche Familie. Er wurde in den 1780ger
Zähren ad depositum des Kammergerichts gezahlt und
demnächst wieder hypothekarisch untergebracht; als aber der
Schuldner im Zahre 1805 ihn kündigte, beantragten die
Lehnsbcsitzer die Theilung und resp. Allodificirung dessel-
ben. Er gehörte damals zweien Linien der v. Strantzschrn
Familie, der Barkowschen und Pctershagenschen Linie. Es
sollte bas gegenseitige Agnationsrecht beider Linien anf-
hören und der Antheil der Barkowschen Linie in dieser Li-
nie freies Eigenthum werden, während die Petershagensche
Linie die Lehnsqualität ihres Antheils beibehalten wollte.
Das Kammergerichl forderte unterm 28. Mär; 1814 die
Bevormundung der bereits gebornen Kinder und die Ein-
willigung der Kuratoren in die Aushebung des Lehnstam-
mes. Hierüber beklagten sich die Interessenten und brach-
ten Abschrift eines unterm 27. April 1789 von dem Kam-
mergerichte an die pommersche Regierung Und Lehns-Kanz-
lei erlassenen Schreibens bei, worin gesagt war:
ss sei unbedenklich, daß, wenn sämmtliche lebende Zn-
tereffcntcn eines Lehnstammes darüber einig wären,
dieselben die Lehnssuccesston unter sich aufheben könn-
ten, und daß ihre Nachkommen bei einem solchen Ver-
trage ihrer Väter akquiesciren müßten.
Das Kammergerichl eröffnete ihnen indessen, daß der Um-
stand, daß im Zahre 1789 andere Grundsätze angenom-
men worden, die Verfügung vom 28. März 1814 nicht
alteriren könne. Zn Folge der hierauf geführten Beschwerde
machte der Zustizminister unterm 26. Zanuar 1815 dar-
auf aufmerksam, daß nach §. 309. Tit. 18. Tit. I. A. L.
R. es der Bevormundung der Kinder der bloß konsen-

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