Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

12.10. Leifer, Die Einheit des Gewaltgedankens im römischen Staatsrecht

Leiser, Die Einheit des Gewaltgedankens im römischen Staatsrecht. 539
zu belehren, wann und wie sie als Zeugen oder Sachverständige vor
Gericht Gebühren zu beanspruchen haben. Diese Aufgabe ist aber in
einer Weise gelöst, daß das Buch auch für praktische Juristen, ins-
besondere die mit der Festsetzung der Gebühren beauftragten Gerichts-
beamten und die zur Nachprüfung berufenen Richter, ein wertvolles
Hilfsmittel bildet. Der erste Teil gibt eine klare und übersichtliche
Darstellung der Grundbegriffe des Zeugen, sachverständigen Zeugen und
Sachverständigen, der Lehre von der Ablehnung und Verweigerung des
Gutachtens. Der zweite Teil enthält eine fortlaufende Auslegung der
gesetzlichen Besümmungen, wobei die ärztlichen Fragen besonders ein-
gehend behandelt find, aber auch im übrigen das Gesetz kurz und gut
erläutert wird. Die obergerichtliche Rechtsprechung ist vollständig be-
rücksichtigt. Im dritten Teil sind die von 20 deutschen Bundes-
staaten erlassenen Gebührenordnungen für gerichtsärztliche Leistungen
zusammengestellt. Diese Übersicht ist deshalb von besonderer Bedeutung,
weil nach § 13 Abs. 2 der Novelle zum Reichsgesetze der nichtbeamtete
Arzt die Vergütung für seine Leistungen entweder nach den Taxvor-
schriften, die am Orte des Gerichts oder an seinem Aufenthaltsorte
gelten, beanspruchen oder die Berechnung seiner Gesamtvergütung nach
den Vorschriften der Reichsgebührenordnung verlangen kann. — Druck,
äußere Anordnung, Inhaltsverzeichnis und Sachregister zeugen von
jenem praktischen Blicke, der leider nicht allen Erläuterungswerken nach-
zurühmen ist.
Berlin-Schöneberg. Amtsgerichtsrat Dr. Levin.
29. Die Einheit öc? GrwaltgedanKens im römischen Staatsrecht. Ein
Beitrag zur Geschichte des öffentlichen Rechts von Dr. Franz Leiser,
München. Leipzig 1914. Duncker & Humblot. (8 M.)
Die bedeutende Schrift, die zu den besten Erscheinungen des neueren
rechtsgeschichtlichen Schrifttums gehört, ist dem Nachweis der strengen
Einheit des römischen Gewaltgedankens gewidmet. Der Verfasser
schließt sich an Mommsen an, der es als einen grundlegenden Satz des
römischen Rechtes bezeichnet hat, daß das Imperium, d. h. das Recht,
den Bürgern im Namen der Gemeinde zu befehlen, „qualitativ" un-
teilbar und überhaupt keiner anderen als einer räumlichen Abgrenzung
fähig sei. Aber er gibt eine Begründung des Satzes, die in ihrer
überlegenen Beherrschung der Quellen, des Schrifttums und des ge-
schichtlichen Zusammenhanges den hervorragenden, selbständigen Meister
erkennen läßt. Ausgangspunkt ist die kritische Würdigung der Ulpian-
Paulinischen Unterscheidung imperium iurisdictio (13, 4 D de iuris-
dictione 2,1 — 1. 6 § 2 D 26,1 de tutelis — 1. 26 D 50,1 ad Mu-
nicipalem et de incolis) und die Widerlegung der Lehre, daß die
Zivilgerichtsbarkeit (jurisdictio im allgemeinen) in zwei große Haupt-
gruppen von Befugniffen: imperium und iurisdictio zerfalle. Diesen
im ersten Teile des Buches enthaltenen Untersuchungen (21—67) folgen
scharfsinnige Aufstellungen über den Sprachgebrauch der Juristen der
Kaiserzeit und die Begründung des Satzes, daß bei Ulpian und Paulus

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