Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

Das Anbauen an eine übergebaute Giebelmauer.

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Hunden. Es entsteht ein Doppelgebäude. Daß ein solches rechtlich
teilbar ist, erscheint unbedenklich. Die Teilung einer Sache erfordert
nicht notwendig die Aufhebung des körperllchen Zusammenhanges
der bisherigen Bestandteile derselben. Bei der Teilung von Grund-
stücken ist die Aufhebung des körperlichen Zusammenhanges nicht
möglich. Auch bei Gebäuden ist die sogenannte Linienteilung stets
anerkannt worden. Ist bei einem Doppelgebäude die Abgrenzung
in sinnlich wahrnehmbarer Weise erfolgt, so ist rechtlich jedes der
beiden Gebäude eine selbständige Sache. Das Doppelgebäude hat
alsdann seine Einheitlichkeit verloren. Der Begriff der zusammen-
gesetzten Sache ist sachenrechtlich ohne Bedeutung. Die partes pro
äiviso sind sachenrechtlich nicht Bestandteile der zusammengesetzten
Sache, sondern selbständige Sachen. Darüber, wie ein Doppel-
gebäude geteilt, d. h. welche vertikale Fläche als Grenzscheide fest-
gesetzt werden kann, entscheidet die Ausfaffung des Verkehrs. Die
für die Teilbarkeit eines Einzelgebäudes maßgeblichen Grundsätze
müffen nicht unbedingt auch für ein Doppelgebäude Geltung haben.
Die Teilbarkeit einer durch die Verbindung mehrerer Sachen ent-
standenen neuen Sache bestimmt sich nach eigenen Grundsätzen. Es
wäre deshalb möglich, daß ein Gebäudeteil, welcher wesentlicher
Bestandteil eines Einzelgebäudes ist, durch das Anbauen eines
anderen Gebäudes diese Eigenschaft verliert. Wäre insbesondere
die Giebelmauer wesentlicher Bestandteil des Einzelgebäudes, so
müßte sie nicht deshalb auch wesentlicher Bestandteil jedes der zu
einem Doppelgebäude verbundenen Gebäude sein. Das Einzel-
gebäude ist ohne Abschlußmauer unbenutzbar. Es wird aber benutz-
bar, wenn es durch die Mauer des Nachbargebäudes abgeschloffen
wird. Im Verkehr wird die Teilung eines Doppelgebäudes ver-
schieden gehandhabt. Regelmäßig wird die Mittellinie der Scheide-
wand als Grenze bestimmt. Auch eine Dreiteilung ist noch jetzt in
der Weise üblich, daß an der ganzen Scheidewand Eigentum der
beiden Nachbarn nach Bruchteilen begründet wird. Es geschieht
dieses, wenn die Gebäude wesentliche Bestandteile von Grundstücken
sind, dadurch, daß die Nachbarn aus der von der Scheidewand über-
bauten Fläche ein selbständiges Grundstück bilden und sich dieses zu
Miteigentum auflaffen. Es ist aber auch durchaus keine Seltenheit,
daß die Scheidewand in vollem Umfange dem einen oder dem
anderen Gebäude allein zugeteilt wird. Einer solchen Teilung vbe
rechtliche Anerkennung zu versagen, würde jedes stichhaltigen Grundes

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