Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 60 (1916))

7. Abhandlungen

7.1. Kriegswucher

Abhandlungen.

5.
LrieyAwncher.
Von Reichsgerichtsrat Or. Ebermayer.
In dem Beschlüsse, den die „Freie Vaterländische Vereinigung"
bei ihrer ersten Tagung in Weimar am 25. Juli 1915 unter Leitung
von Wilhelm Kahl gefaßt hat, finden sich die Worte: „Über alles
Lob ist die Opferwilligkeit des deutschen Volkes. Während aber
die Gesamtheit der Nation in unbegrenzter Hingabe alles, was sie
ihr eigen nennt, dem Vaterland opfert, hat der Eigennutz einzelner
es verstanden, aus der Zwangslage des Staates und der Notlage
der Volksgenossen Vorteil und Gewinn für sich selbst zu ziehen."
Jeder, der die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse seit
Jahresfrist mit offenem Auge und unbefangenem, nicht durch eigene
Interessen getrübtem Urteile verfolgt hat, wird die Richtigkeit
dieses Satzes sowohl nach der lobenden als nach der tadelnden Seite
hin ohne weiteres unterschreiben. Man wird aber gegenüber der
allgemeinen, vielfach ins Ungemessene gehenden Preistreiberei, die
wir seit Monaten fast auf allen Gebieten, insbesondere aber gerade
bei den notwendigsten Bedarfsgegenständen, erleben, hinzusetzen
müssen, daß dieser Eigennutz sich keineswegs auf einzelne wenige
beschränkt, sondern weite Kreise ergriffen hat. Die Versuchung lag
ja so nahe, aus der durch den Krieg und durch die von unseren
Feinden geplante Absperrung Deutschlands von jeder Zufuhr ge-
schaffenen außergewöhnlichen wirtschaftlichen Lage unter rücksichtsloser
Hintansetzung der allgemeinen Interessen Gewinn zu ziehen; und
jener erbärmliche Krämergeist, der international ist und, soweit
wenigstens England in Frage kommt, im letzten Ende die Ursache
dieses ganzen gewaltigen Völkerringens war — wer möchte leugnen,
daß die von England seit Jahren betriebene, schließlich zum Kriege
führende Einkreisungspolitik weniger politischen als geschäftlichen,
auf die Beseitigung des immer unbequemer werdenden Mitbewerbers
Beiträse. 60. Zahrg. 3. Hrft. 13

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