Full text: Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung (Bd. 12 = H. 23/24 (1818))

252 '
„wohl eine solche.Bestimmung erfolgt sein, wenn der
„Gesetzgeber nicht an der Fähigkeit der Geschwornen,
„ohne Leitung eines Rechtskundigen eine paßende Ent-
„fcheidung zu.erlassen, gezweifelc Harke?"
Der Scharfsinn dieser Bemerkung liegt ohne weitre
Entwickelung vor; sie beweiset, daß es in den republi«
eanischen. Zeiten der Einführung der Geschwornen, weni-
ger auf die Sache, als auf daö republicamsche Element
der Criminal-Zustij, und auf die Verininderung deS An»
. fehens der Königlichen Gewalt, Und darauf ankam, durch
den Vorstand des AssiffrnhoftS im damaligen Zeitgeist
zu wirken. Wt dem lctztren sollte billig dieser Zweck
aufhörrn.
„Beruhet denn überdem, fügt H. b. P. hinzu, die
„Beurtheilung der größern oder der geringer» Jurcch»
„nungsfähigkeit nicht auf feinen psychologischen und an-
thropologischen Beobachtungen, und kann man denn
„dies Studium der zu diesen Beobachtungen führenden
„Grundprincipien in Durchschnitt den die Geschwornen-
,.Gerichte bildenden, Individuen zuttauen?"
Diese richtige Bemerkung scheint der in allen Län«
dern, in welchen die Gesetzgebung für.Menschen-Leben,
Ehre und Freiheit, volle Achtung hat, bestm-dnen Vor-
schrift, daß Untcrgerichte in Criminalfällen nicht sprechen
dürfen, zum Grunde zu liegen. Jnconseguent ist es,
dem Kaufmann und Äckersbürgcr, der Mitglied eines
Untergerichts ist, die Fähigkeit zu diesem Unheil, (mit
Recht) übzusprechen, uud. sie ihm als Geschornen bei-
zulegem
' Sehr treffend ist die S. 9L. ff. gezogene Parallele
zwischen der Bildung des Preußischen uud des franzö-
sischen Richters. Die französische Gesetzgebung fordert
zum Richter nur das Alker von 25 Zähren, den Cha-
rakter eines Lizentiaten der Rechte uudj eine zweijährige
Advocatur. Wie vielseitiger und gründlicher sind die zum
Preußischen Richterstuhl nochtvcndigen Erfordernisse, aber
auch wie viel größer ist das Vertrauen, waö die solcher»
gestalt gebildeten Richter verdienen? . ... .

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer