Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 48 (1904))

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Literatur.

liche literarische Bearbeitung hat zuteil werden lassen. Re hm be-
handelt in seinem groß angelegten Werke sowohl das private, als auch
das öffentliche Bilanzrecht, und zwar unter Berücksichtigung aller
dem geltenden Rechte bekannten Formen der gesellschaftlichen Unter-
nehmung, wie sie der Titel des Buches mit einiger Umständlichkeit an-
führt. Wir finden daher nicht bloß eine Darlegung und Entfaltung
der Nechtssätze, die für die Bilanz wegen ihrer Bedeutung für die
Gläubiger und die Teilhaber der Gesellschaft aufgestellt sind, sondern
auch der Nechtssätze, die sich auf die Bedeutung der Bilanz als Grund-
lage für die Besteuerung der kaufmännischen Unternehmungen beziehen,
und endlich der Rechtssätze, die wegen der Bedeutung der Unterneh-
mung und damit auch ihrer Bilanz für die gesamte Volkswirtschaft auf-
gestellt sind (Versicherungs-Unternehmungen, Hypothekenbanken, Noten-
banken). Zn allen drei Richtungen ist dann auch dem Bilanz-Straf-
rechte die ihr gebührende Erörterung gewidmet.
Ein allgemeiner Teil behandelt zunächst die verschiedenen Arten
der Bilanzen, deren rechtliche Natur und die Grundgedanken des
Bilanzrechts. Ausgegangen wird hierbei von dem allgemeinen Bilanz-
rechte, d. h. demjenigen Rechte, welches für die Bilanz des Einzelkauf-
manns gilt (H.G.B. M 36—41), worauf eine treffliche Darlegung
darüber folgt, welche Änderungen hieran das Gesellschaftsprinzip, das
Prinzip der beschränkten Mitgliederhaftung und endlich das Aknenprinzip
mit sich bringen.
Der besondere Teil, der etwa sieben Achtel des im ganzen 638
Seiten umfassenden Buches ausmacht, gliedert sich in das materielle
und das formelle Bilanzrecht, woran sich ein Abschnitt über die Zivil-
und die strafrechtlichen Folgen der Bilanzrechtsverletzung schließt. Das
materielle Bilanzrecht behandelt die Fragen, was darf und was muß
in die Bilanz eingestellt werden und wie ist das Eingestellte zu be-
werten; es handelt also von den Bilanzposten und ihrer Bewertung,
von Bewertungsgegenständen und Wertansatz. Das formelle Bilanz-
recht hat das Bilanzverfahren zum Gegenstand und umfaßt die Lehre von
den Organen, der Zeit und dem äußeren Gange der Bilanzaufstellung.
Der Verf. nimmt den Standpunkt, daß diejenige Auslegung der
Bilanzrechtssätze der Wahrheit am nächsten kommt, welche das Wesen
dieser Rechtssätze in erster Linie nicht wirtschaftlich oder juristisch, son-
dern buchführungstechnisch zu erklären sucht. Daher sind auch die
Prinzipien der Buchführung, soweit es die Erfassung des Rechtsstoffs
erforderte, zur Darstellung gebracht. Grundsätzlich aber will der Verf.
nicht darstellen, wie die Bilanz tatsächlich, übungsgemäß, d. h. oft miß-
bräuchlich aufgestellt wird, auch nicht, wie sie am besten aufgestellt und
demgemäß das Bilanzrecht zweckmäßigerweise gestaltet würde. Vielmehr
richtet er sein Augenmerk in erster Linie darauf, wie die Bilanz nach dem
geltenden Rechte aufgestellt werden muß und aufgestellt werden darf.
Die sehr eingehenden und gründlichen Forschungen des Verf.
stellen manche der einschlägigen Fragen auf eine neue Basis. So z. B.
die Abgrenzung des Gewinnbegriffs, die nach dem Verf. handelsrechtlich

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