Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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auf die Hausordnung irgend welchen Einfluß zu üben, z. B. den
vorsichtigen Gebrauch von Feuer und Licht, den Verschluß des
Hauses zu überwachen, der in der Natur der Sache liegende Um-
stand, daß eine Menge von Personen in dem Wirthshause aus- und
eingehen, alles das sind Motive, die dem Prätor vorgeschwebt haben,
und die zu jeder Zeit fortbestanden und heute fortbestehen, so daß
die Gültigkeit des Gesetzes, welches glossirt und mit dem römischen
Rechte recipirt worden, in thesi nicht zu bezweifeln ist.*)
Dieser Gesichtspunkt ist auch in den Motiven zu dem Entwürfe eines
bürgert. Gesetzbuchs für das Großherzogthnm Hessen (Darmstadt, 1853)
Buch II S. 134 treffend ausgesprochen:
Der Verwahrungsvertrag nimmt da noch eine besondere Seite
an, wo er zwischen Reisenden und Gastwirthen, Schiffern und
Fuhrleuten abgeschlosien wird. — Es ist nämlich im Allgemeinen
zwar der Vor- und Umsicht eines Jeden überlassen, wem er seine
Sache zur Aufbewahrung anvertrauen will. Schenkt er nun einem
Würdigen sein Vertrauen, und übernimmt solcher die Aufbewahrung,
so ist der Hinterleger hinlänglich durch die Vorschristen, welche im
ersten Abschnitte enthalten sind, gedeckt, und der Verwahrer nicht
mehr, als es das Verhältniß nothwendig mit sich bringt, belastet.
Handelte der Hinterleger aber unvorsichtig, und wird er darum in
seinem Vertrauen getäuscht, so kann man ihm mit den Quellen des
gemeinen Rechts entgegnen: „qui negligenti amico rem custu
diendam tradit, suae facilitati id imputare debet.u Ein
genügender Grund zur gesetzlichen Steigerung der Haftpflicht im
Interesse des Hinterlegers liegt hier nicht vor. Anders verhält es
sich dagegen dort, wo ein Reisender einem Gastwirthe, Schisser,
Fuhrmann oder Anderen, welche aus der Beförderung von Personen
ein Gewerbe machen, seine Sachen zur Verwahrung anvertraut.
Denn hier ist der Hinterleger meist in der Lage, der Sorgfalt und
Redlichkeit des Verwahrers, sowie der von ihm aufgestellten Leute,
denen er seine Sachen übergibt, vertrauen zu müsien, weil er außer
Stand ist, nach eigenem Ermessen die nöthigen Vorsichtsmaßregeln
zu treffen. Es gilt dann von ihm, was die gemeinrechtlichen

*) Vgl. Gimmerthal a. a. O. S. 117: Wenn auch der in der Person der
Gastwirthe liegende Grund für die betreffende strenge Haftpflicht — dieselben
wurden bei den Römern bekanntlich zu dem Gesindel gerechnet — heutzutage
weggefallen ist, so hat doch der sachliche Grund bei dem gesteigerten Fremden-
verkehre der Gegenwart an Umfang und Stärke zugenommen. Dieser sach-
liche Grund besteht aber für den Fremden in der nece88itas fidem cauponum
(und seiner Leute) sequi, und bei dem confluxus aller in der caupona ver-
kehrenden unbekannten Personen, in der Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit für
den Fremden, seine mitgebrachten Sachen fortwährend vollständig zu über-
wachen oder ihre Sicherheit und Nichtgesährdung so zu controliren, wie dies
in der eigenen abgeschlossenen Wohnung, in der Umgebung angehöriger,
oder sonst bekannter und erprobter Personen durchzuführen ist.

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