Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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Überganges zu versichern, und im Interesse einer feierlichen öffentlichen
Form — wie dies mit gutem Erfolge namentlich in Hamburg und
Lübeck geschieht — empfehlen, daß die Einschreibung im Beisein
der Betheiligten geschieht, die sich dann sofort von der Richtigkeit
derselben überzeugen können." Grundsätzlich muß Auflassung und Ein-
tragung einen ungetrennten, einheitlichen Rechtsakt bilden (Materialien
S. 11, 15), und wer einen Grundbuchrichter „auf Reisen" statuirt, der
gibt diesen Grundsatz auf, der iguorirt das kategorische „unmittelbare
Anschließen" im Gesetze. Die gestattete Ausnahme kann in dem gesetzten
Falle nicht Anwendung finden, denn nicht sachliche Gründe hindern die
sofortige Eintragung, sondern ein Umstand, den der Richter eigenmächtig
hervorgerufen hat. — Diesem Absätze nur instruktionelle Bedeutung
beizumessen — wie cs Bahlmann (Kom. II. S. 420) thut — das
„muß" als „muß wo möglich" auszulegen, können wir weder mit dem
Geiste noch der Sprachweise des neuen Gruudbuchrechts vereinigen.
4. Durch die gegenthcilige Ansicht werden gradezu die Gefahren
wieder eiugeführt, welche durch die so qualifizirte Auflassung beseitigt
werden sollten, doppelte Auflassungen, hypothekarische Eintragungen,
Betrügereien aller Art. Wir heben einzelne Fälle hervor. Der Eigen-
thümer läßt auswärts an A auf; er hat aber bereits vorher dem X
Vollmacht zur Auflassung ertheilt und X läßt inzwischen das Grundstück
— vollständig bona fiele — an den B im Grundbuchamte vor dem
generell substituirteu Grundbuchrichter auf. Oder während der Ab-
wesenheit des Grundbuchrichters geht beim Amte ein legaler Antrag
auf Veräußerungsbeschrünkung ein, oder es ist inzwischen eine Grund-
schuld präseutirt. Diese und ähnliche Kollisionen sind denkbar und
wirklich, aber unmöglich, wenn Auflassungen nur an Gerichtsstelle
stattfinden.
Aus dem Gesagten schließen wir auf den Satz:
Für die Auflassung ist der Grundbuchrichter als solcher
nur im Grundbuchamte anzuerkeunen, außerhalb des-
selben hat er diese Eigenschaft nicht,
und hieraus folgt dann von selbst die von uns behauptete Unzulässigkeit.
Dagegen wird nun angeführt (Dalcke a. a. O.), daß die Zu-
lässigkeit nicht erübrigt werden könne, da der Weg der Vollmachts-
ertheilung nicht immer zum Ziele führe, dann nämlich nicht, wenn der
Mandant — der Veräußerer — inzwischen sterbe. Dem ist zu erwidern,
daß dies ein unvermeidlicher Zufall, und stellt die Sachlage in Nichts
• anders wie in dem Falle, wo der Eigenthümer während der Auflassungs-
erklärung plötzlich vom Schlage tödtlich getroffen wird. Ueberdies gibt

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