Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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das materielle aus dem, dem Wechselzuge unterliegenden Kausalverhältniß.
Die diesem Kausalverhältniß entnommene Einrede des Wechselschuldners
nun, dem selbst als Kläger auftretenden unmittelbaren Wechselkontrahenten
gegenüber, ist nur gegen das materielle Recht desselben gerichtet;
vermag daher auch uur dieses sein materielles Recht zu beseitigen.
Wenn das demselben danach noch verbleibende, weil von der Ein-
rede des Verklagten ganz unberührt gelassene, formelle Recht dem
materiellen Einrederecht des Verklagten gegenüber gleichwohl ebenfalls
wirkungslos geworden ist, so kann der Grund hiefür in nichts Anderem,
als in der Inferiorität des formellen Rechts (des Klägers und un-
mittelbaren Wechselkontrahenten) gegenüber dem materiellen (des Ver-
klagten) gefunden werden.
Ganz derselbe Grund steht dem Wechselkläger aber auch dann
entgegen, wenn er zwar nicht der unmittelbare Wechselkontrahent selbst,
aber doch ein bloßer Mandatar desselben ist; da er dann gleichfalls
dem ihm entgegengesetzten materiellen Einrederecht des Verklagten nur
ein formelles Recht opponiren kann; aus seiner Person sowohl als —
nach Zerstörung des materiellen Rechts seines Vormanues — aus der
Person des Letzteren.
Die Theorie, welche aus dem gedachten Grunde — der Inferiorität
des formellen Rechts gegenüber dem materiellen — den Einwand des
Verklagten gegen den unmittelbaren Wechselkontrahenten für statthaft
erklärt, geräth mit sich selbst in Widerspruch, wenn sie denselben im
Fragesalle dem Verklagten versagt; zur Ausschließung desselben also
eine Veränderung in der Person des Klägers auch dann für genügend
erachtet, wenn der Mangel eines materiellen Rechts in der Person
des Klägers durch diese Veränderung gleichwohl nicht gehoben ist.
§ 7.
Muß hienach aber die Frage nach dem, das Einrederecht des
Verklagten ausschließenden „eignen Recht" des Klägers nach materiellem
Recht entschieden, beziehungsweise unter diesem „eignen Recht" ein
materielles Recht verstanden werden, und ist andrerseits außer Zweifel,
daß in dem in Frage stehenden Falle der Kläger nach materiellrechtlicher
Betrachtung kein eignes Recht, beziehungsweise daß derselbe kein
materielles Recht an dem von ihm eingeklagten Wechsel hat, so ist da-
mit erwiesen, was zu erweisen war:
daß das Einrederecht des Verklagten im Fragefalle nicht aus-
geschlossen, die Streitfrage nach der Statthaftigkeit der s. g.
Einrede des Prokura-Indossaments mithin zu bejahen ist. —

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