Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 18 = N.F. Jg. 3 (1874))

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aut relinqueret in loco, ad ejusmodi res reponendas in-
congrue , inidoneo et insolito, v. gr. in stabulo, ubi equum
suum stabulavit, aut in cauponae area, vel simili in loco,
omnibus longe lateque patente reponeret pallium, pileum,
hippoperam, quam vulgo Valisam vocant, rebus pretiosis
refertam, aut alias res similes, quas nemo diligens in ejus-
modi loco relinqueret; atque sic occasionem, quae fures facit,
delinquendi praeberet, secuto illarum furto ipse caupo eo
nomine actione de recepto dicto modo conveniri non possit...
Glück, Com. VI S. 138: Es ist wohl von selbst klar, daß
die strenge Verbindlichkeit, welche das Gesetz dem Gastwirth auflegt,
den Passagier nicht berechtige, wegen der unter seiner Verwahrung
behaltenen Sachen außer aller Sorgfalt zu sein. Hätte daher z. B.
der Pasiagier die Entwendung seiner Sache dadurch selbst veranlaßt,
daß er beim Ausgehen seine Stube nicht verschloß, wozu ihm doch
der Gastwirth den Stubenschlüsiel zugestellt hatte, so kann er des-
halb wohl nicht mit der actio de recepto wider den Gastwirth
auf deren Erstattung klagen.
Erkenntniß des O.-A.-G. zu Darmstadt vom 29. Februar 1868:
Den Wirth befreit von seiner Ersatzverbindlichkeit der Umstand, daß
grobe Nachlässigkeit und grobe Unvorsichtigkeit des Gastes den von
ihm behaupteten Diebstahl veranlaßt oder ermöglicht habe, weil
hierin die exceptio propriae culpae liegt. Uebrigens ist nicht
Sache des Gastes seine Vorsicht, sondern Sache des Wirthes, eine
Schuld des Gastes zu begründen und zu beweisen (Seuffert,
Archiv XXII Nr. 145).
Erkenntniß desselben Gerichtshofes: Der Wirth haftet nicht für
den Schaden, der durch eigenes Verschulden des Gastes ent-
standen ist.
Eigenes Verschulden des Gastes ist dann anzunehmen, wenn er
weder die Commode, noch die Koffer, in welchen er werthvolle
Sachen aufbewahrte, oder seine Zimmer gar nicht oder nicht genügend
verschlossen hat, die Schlüssel stecken oder umherliegen ließ (Archiv
für prakt. Rechtswisi. N. F. VII S. 95 f.).*)
Erkenntniß des O.-A.-G. zu Dresden von 1841: Wenn auch der
Grund der Verbindlichkeit der Gastwirthe, denjenigen Schaden zu
ersetzen, welcher den Fremden in ihren Wirthshäusern zugefügt wird,
in dem durch die Reception stillschweigend geschloffenen Vertrage
liegt, den Einkehrenden die nöthige Sicherheit für die bei sich führen-
den Sachen zu verschaffen, diese Verbindlichkeit auch durch die Zu-
stellung des Schlüssels zu der den Reisenden angewiesenen Stube

*) So ist üuch in einem vom Appellationsgerichte zu Frankfurt a. M. ent-
schiedenen Rechtsfalle ein eignes Verschulden des bestohlenen Gastes ange-
nommen worden, wenn derselbe ohne Wissen und Willen des Wirthes auf
seinem Zimmer eine feile Dirne nächtlich beherbergte. Archiv für prakt.
Rechtswiss. N. F. IV. S. 414 f.

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