Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

9.12. v. Kries, Dr. August, Professor an der Universität Kiel: Lehrbuch des Deutschen Strafprozeßrechts

v. Kries, Lehrbuch des Deutschen Strafprozeßrechts.

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sittlichen Grundlage, ohne welche es nicht bestehen kann. In diesem
Sinne wird dem Kampfe des Verfassers für die Anerkennung der
menschlichen Willensfreiheit auch von seinen wissenschaftlichen Gegnern
eine gewisse Nützlichkeit nicht abgesprochen werden können.
Marburg, März 1893. Leonhard.

32.
Lehrbuch des Deutschen Strafprozeßrechts. Von Dr. August v. Kries,
Professor an der Universität Kiel. Freiburg i. B. 1892. Akademische
Verlagsbuchhandlung von Z. C. B. Mohr (Paul Siebeck). XV. u. 815 S.
(M. 18.-.)
Der Verfasser hat seinem Vorworte zufolge zwei Punkten vorzugs-
weise seine Sorgfalt gewidmet: einmal der Entwickelung des modernen
Prozesses aus dem gemeinen Jnquisitionsprozesse, dann der dogmatischen
Konstruktion des Prozeßverhältnisses und der einzelnen Institute desselben.
In Anlehnung an das von Laband bei Bearbeitung seines Staatsrechtes
des D. Reichs gegebene Vorbild will v. K. dem Strafprozeßrecht die
civilprozessuale Behandlung angedeihen lassen, freilich mit der noth-
wendigen Modifikation der civilprozessualen Begriffe, die von den
spezifisch civilprozefiualen Merkmalen zu reinigen seien.
Dementsprechend behandelt die Einleitung (S. 1—96) int
Abschn. I. (Begriff des Strafprozesses. Abgrenzung vom materiellen
Strafrecht.) den Strafprozeß als ein „Rechtsverhältniß", woran sich eine
interessante Erörterung über den begrifflichen Unterschied zwischen Straf-
recht und Strasprozeßrecht knüpft; Abschn. II. der Einleitung aber giebt
innerhalb des vorbezeichneten Rahmens eine Uebersicht über die geschicht-
liche Entwickelung des D. Strafprozesses. Den Duellen des Straf-
prozeßrechtes sowie dem Umfange ihrer Geltung endlich in sachlicher,
örtlicher, persönlicher und zeitlicher Beziehung ist Abschn. III. der Ein-
leitung gewidmet.
Klar und übersichtlch ist die Hauptmasse des Stoffes gegliedert:
Erstes Buch (S. 97—250) Die Prozeßsubjekte; Zweites Buch (S. 251
bis 780) Das Prozeßverfahren, jenes in zwei Kapitel (I. Das Gericht.
2. Die Parteien, ihre Vertreter und Gehilfen) zerfallend, dieses in neun
Kapitel gegliedert (1. Allg. Grundsätze. 2. Zwangsmittel. 3. Beweis.
4. Gerichtliche Entscheidungen und ihre Bekanntmachung. 5. Zeit-
bestimmungen. 6. Gang des Verfahrens. 7. Rechtsmittel. 8. Be-
sondere Arten des Verfahrens. 9. Strafvollstreckung und Kosten).
Wenn Referent im Allgemeinen vorausschickt, daß die Darstellungs-
weise des Vers., bei welcher die nöthigen Literaturnachweise fast durch-
gängig in die Noten verwiesen, während die Zitate der Rechtsprechung
des R.G. in kurzer Faffung dem Texte selbst eingewoben sind, eine prä-
gnante und klare ist, daß bei der Behandlung das nöthige Maß in stoff-
licher Hinsicht sowohl als auch rücksichtlich der theoretischen und kritischen
Erörterungen innegehalten erscheint, daß endlich der Verfasser theoretisches
Wissen in glücklicher Weise mit einem seinen praktischen Takte verbindet,
so glaubt er sich — Angesichts des Karakters der „Beiträge" — im

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