Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

9.9. Wolff, Dr. Th., Landgerichtsrath in Dortmund: Das Absonderungsrecht im Konkurse

450

Literatur.

es sich gar nicht um Unterarten eines gemeinschaftlichen Oberbegriffes,
sondern um Einrichtungen handelt, die nach Zweck und Mittel so ver-
schieden sind, wie Prozeßrecht und Privatrecht überhaupt und nur soweit
Zusammentreffen als das Privatrecht überhaupt die Voraussetzung des
Prozesses ist — die Schrift sonderlich näher geführt habe, läßt sich nach
Vorstehendem nicht wohl sagen, und ihr „wissenschaftliches" Verdienst
dürfte in der Hauptsache auf sorgfältige Sammlung des Materials sich
beschränken. Wenn ganz am Ende (S. 73) der Vers, mit dem Satze
nachkommt: „die Urkunde kommt nicht ausschließlich als Beweismittel in
Betracht, sie ist auch Vermögensobjekt im wahren Sinne des Worts",
so ist das der immer noch nicht klare Ausdruck dessen, was den Aus-
gang hätte bilden sollen: die Urkunde ist im Civilprozeß nur Beweis-
mittel, im Privatrecht nur Rech 1sgegenständ, aber unabhängig von
einem bloßen Vermögensinteresse.
Leipzig. _ vr. Klöppel.

29.
Das Absonderungsrecht im Konkurse mit besonderer Berücksichtigung des
Preußischen und gemeinen Rechts systematisch dargestellt von Ur. Th.
Wolfs, Landgerichtsrath in Dortmund. Berlin 1892. I. Guttentag
Verlagsbuchhandlung. (M. 10,—.)
Der durch mehrere Schriften dem juristischen Publikum, insbesondere
auch den Lesern der Beiträge, wohl bekannte Verfasser bietet in dem
vorliegenden Buch eine umfangreiche, viele Fragen des Reichs- und
Landesrechts berührende Erörterung. An einen kurzen geschichtlichen
Rückblick und eine Besprechung des Verhältnisses von Konkurs- und
Civilrecht überhaupt in der Einleitung schließt sich die Abhandlung des
Themas selbst in zwei Theilen an. Der erste (S. 22—304) ist dem
Absonderungsrecht im Allgemeinen gewidmet, der zweite geht auf die
einzelnen Absonderungsrechte ein; die Absonderungsrechte aus den be-
sonderen Rechtsbeziehungen der §§ 40 und 41 der Konkursordnung
werden dabei, unter Scheidung des Jmmobiliarrechts von den Mobiliar-
berechtigungen, den allgemeinen Absonderungsrechten der Nachlaßgläubiger
und Legatare, der Gemeinschaftsinteressenten und Gemeinschaftsgläubiger,
sowie der Lehns-, Stammguts-, und Fideikommißgläubiger vorangeschickt.
Die Ausführungen des Verfassers haben hiernach zahlreiche Rechts-
gebiete zu berühren, wenn sie auch naturgemäß am längsten bei dem
Zmmobiliar- und Mobiliarpfand verweilen müssen. Zuweilen scheint
das System des Verfassers fast über seinen Gegenstand hinaus zu
führen, wenn er z. B. auch das Anfechtungsrecht der Konkursordnung
als einen denkbaren Beendigungsgrund des Absonderungsrechts in die
Erörterung hineinzieht. Von der Gesammtheit der Ausführungen des
Verfassers ist zu sagen, daß sie, ohne wesentlich neue Konstruktionen zu
bieten, klar und anschaulich den Stand der Rechtswissenschaft bei den
zahlreichen erörterten Fragen schildern, mit Bestimmtheit Stellung
nehmen, aber auch abweichende Ansichten in solcher Weise mittheilen,
daß der Leser zum Prüfen und Nachdenken angeregt wird.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer