Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

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Literatur.

schütz über die „äußere und innere Form" hinaus, weil hier auch der
Inhalt des Werkes eine Schöpfung ist; jener Schutz soll hier „den in-
dividuellen Zdeeninhalt" erfassen, nach der Sprachweise des Verfassers
„das imaginäre Bild". Als karakteristisch für die Redeweise des Ver-
fassers sei aus S. 33 der Satz herausgehoben: „Das imaginäre Bild
ist ein gewisses Abstraktum, es ist die Quintessenz, welche vorhanden ist,
in welcher Darstellungsform auch immer das Bild gegeben wird; der
Rest, welcher bleibt, wenn man von einer jeden Darstellungsform ab-
strahirt."
Der Verfasser sucht dann diese „darstellungslose Idee", den Gehalt
der Schöpfung, das imaginäre Bild zunächst bei der bildenden Kunst
S. 37—82. Nicht das Motiv oder Sujet, dessen Darstellung der
Künstler bezwekt, tritt in sein Autorrecht (S. 38), aber auch nicht bloß
die konkrete Darstellung des Gemäldes oder der Statue (S. 45), sondern
die „individuelle Weise, in welcher der Künstler seinen Stoff idealisirt,
in Jdealweise gebildet hat", das „Idealisirungswerk" des Künstlers.
Auch bei Roman, Drama (S. 83) und Lyrik (S. 112) ist nach
dem Verfasser die spezielle Art, wie der Autor sein Sujet idealisirt,
Gegenstand des Autorschutzes. Und nicht weniger gilt ihm dies von der
Musik (S. 138), zumal vom musikalischen Drama (S. 166).
Alle Erörterungen des Verfassers zeigen seine staunenswerthe Viel-
seitigkeit, die eigne künstlerische Begabung, die Feinheit seines ästhetischen
Erkennens, die Belesenheit in fremdländischer Rechtssprechung. Nach
diesen Seiten wird Niemand das Buch aus der Hand legen, ohne
die mannigfachste Anregung gefunden zu haben. Und wenn es auf
die Lösung praktischer Fragen des verletzten Autorrechts ankommt,
wird vieles von dem, was der Verfasser zur näheren Karakteristik der
Kunst und der einzelnen Künste ausführt, als werthvoll angesehen werden
müssen für die im einzelnen Fall vorzunehmende Prüfung, ob eine Nach-
bildung in wesentlichen und karakteristischen Bestandtheilen eines alten
Werkes vorliegt, ob eine wesentliche Uebereinstimmung (substantial
identity) anzunehmen ist. Aber eine andere Frage ist, ob die Juris-
prudenz in den oben hervorgehobenen Kategorien, insbesondere in dem
„imaginären Bild" mit Köhler eine „wissenschaftliche Führung" finden
wird, ohne die „das arbiträre Ermessen" auf Abwege geräth.
Wenn Klöppel den „Forschungen" des Verfassers „aus dem Patent-
recht" auf S. 7 des Bands 34 dieser Beiträge das vollendete Gepräge
innerer Ausreifung — im Gegensatz zu manchen anderen Schriften des
Verfassers — nachrühmen konnte, und wenn ebenso das Konkursrecht
des Verfassers (vergl. Bd. 36 S. 725 der Beiträge) als eine durch
Einsicht in die einschlagenden Rechtsbegriffe hervorragende rechtswifsen-
schaftliche Leistung bezeichnet werden durfte, so zeigt das vorliegende
Werk, — das der Verfasser selbst als eine „Studie" betrachtet wiffen
will, — keine gleiche wissenschaftliche Reife. Abgesehen davon, daß hier
wieder alle am angeführten Orte von Klöppel hervorgehobenen Schwächen
früherer Werke hervortreten, zeigt sich namentlich bei den Begriffs-
bestimmungen ein unfertiges Ringen nach dem Ausdruck, das zu immer

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