Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

von Brünneck, Zur Geschichte des Grundeigenthums. 151
Der zweite Abschnitt behandelt die weitere Ausgestaltung der
Rechtsstellung der kölmischen Güter im Laufe des Mittelalters. Dabei
werden unterschieden die größeren selbständigen, reiterdienstpflichtigen und
die kleineren, nicht reiterdienstpflichtigen Güter; unter letzteren wieder
die zu einer Stadt- oder Dorfgemarkung gehörigen und die gemarkungs-
freien.
Bei den reiterdienstpflichtigen Gütern kommt es vereinzelt, aber
schon früh vor, daß sowohl auf den Zins, wie auf die Mitwirkung des
Herrn bei der Uebertragung verzichtet wird. Der Verfasser nimmt an,
daß sie in solchem Falle zu vollfreiem Eigenthum erworben seien, da der
Reiterdienst „lediglich den Karakter einer öffentlichen militärischen Last"
gehabt habe. Diese Deduktion erscheint verfehlt. Wenn Verleihung zu
Culmer Recht ursprünglich prinzipiell Verleihung als mit flämischer Erb-
folge bedeutet, so ist nicht wohl anzunehmen, daß schon im 13. Jahr-
hundert das Begriffsmerkmal des Erbzinspunkts bei Verleihungen zu
Culmer Recht völlig verschwunden sei; und der Umstand, daß der
Heeresdienst eine öffentliche Last, steht doch nicht der Möglichkeit ent-
gegen, daß, wo der Reiterdienst bei der Verleihung auferlegt wird, er
auch als private Last betrachtet ist: weil er öffentliche Last ist, braucht
er nicht „lediglich öffentliche Last" zu sein.
Von Wichtigkeit ist der Nachweis, daß mit der Verleihung eines
Gutes zu kulmischem Recht gelegentlich die Begründung eines Lehen-
verhältnisses Hand in Hand ging, so daß der Beliehene völlig als Vasall
angesehen wird (S. 48). Mit Recht aber warnt der Verfasser davor,
ein solches Verhältniß überall vorauszusetzen, wo die Ausdrücke feodum
und feodales sich finden.
Bei den nichtreiterdienstpflichtigen kölmischen Gütern nimmt auch der
Verfasser an, daß sie sämmtlich das Mittelalter hindurch Erbzinsgüter ge-
blieben, wenngleich von den Freihufen des Schulzen kein Zins entrichtet
wird („der Dienst, den der Schulz mit Einziehung der Zinsen von den
einzelnen Grundbesitzern leistete, vertrat die Stelle des Zinses"), und
die Mitwirkung des Landes- oder Grundherrn bei der Veräußerung
städtischer oder dörfischer Grundstücke külmischen Rechts nach des Ver-
fassers, freilich nur schwach gestützter (S. 63—67), Ansicht schon Ende
des 13. Jahrhunderts nicht erforderlich war.
Der dritte Abschnitt der Schrift behandelt das Schicksal der kölmischen
Güter seit dem Ausgang des Mittelalters: ihre Umwandlung in freies
Eigenthum, die theils als Folge der Aenderungen der Gerichtsverfassung,
theils als Folge politischer Umwälzungen, theils als Wirkung der Ein-
führung der römischen Rechtsbegriffe erscheint. In hübscher Weise wird
dabei die Verschiedenheit dieser Entwicklung in den bis 1466 zum eigent-
lichen Staatsgebiete des deutschen Ordens gehörenden Theilen West-
preußens (S. 84—102 u. S. 131 ff.), im Bisthum Kulm (S. 102 bis
105 u. S. 135 ff.), im Bisthum Ermland (S. 106—109) und in Ost-
preußen (S. 109—131) geschildert.
Marburg. H. Lehmann.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer