Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 37 = 5.F. Jg. 2 (1893))

6.8. Brünneck, Dr. jur. Wilhelm von, ordentlicher Honorar-Professor in Halle a. S.: Zur Geschichte des Grundeigenthums in Ost- und Westpreußen

Lubszynski, Welche Rechte hat die Minderheit der Aktionäre rc. 149
durch den Antrag, Revisoren zu ernennen, nach außen empfindlich leiden."
Beides ist nicht unrichtig, würde aber doch meines Erachtens eine Auf-
hebung des „Untersuchungsrechtes" nicht rechtfertigen, von welchem
thalsächlich schon um der auch die einzelnen Aktionäre schädigenden
Gefährdung des Kredites der Gesellschaft willen doch wohl nur in
seltenen und völlig berechtigten Fällen wird Gebrauch gemacht werden.
Der Hauptvortheil des „Untersuchungsrechtes" dürfte darin bestehen, daß
seine gesetzliche Möglichkeit von all zu großem Gründungsschwindel ab-
schrecken kann. Oft freilich wird gerade die Wirkung versagen und ein
besseres Abschreckungsmittel böte die — leider nicht vorhandene —
Gewißheit, daß bei jeder schnell verkrachenden Gründung eine Unter-
suchung seitens der Staatsanwaltschaft eingeleitet werden würde.
Weiter beanstandet der Verfasser das Recht der Minderheit, die
Verfolgung von Ansprüchen der Gesellschaft aus der Gründung, der
Geschäftsführung und der Liquidation gegen die Gründer, die Emmissions-
hüuser, die Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsraths und die
Liquidatoren beschließen zu können. Er erachtet sie als „dem Wesen
der Aktiengesellschaft widersprechend" und „eine Desorganisation im
Haushalte des Altienvereins bewirkend". Dies Bedenken erscheint um
so weniger gerechtfertigt, da der Verfasser selbst es für „nothwendig"
erklärt, „die Verfolgung derartiger Ansprüche auch für den Fall zu er-
möglichen und zu sichern, in denen die ordentlichen Organe dieselbe aus
Nachlässigkeit unterlassen", ein besseres Mittel aber dafür nicht an die
Hand giebt.
Gegenüber dem Schlußwort des Verfassers: „In den Minderheits-
rechten liegt das Stückchen sozialer Weisheit, das auch im Aktiengesetze
zu finden ist" mag es nicht überflüssig sein, zu betonen, daß die „soziale
Weisheit" des Staatsmannes sich nicht auf den „Schutz des wirth-
schaftlich Schwachen gegen den wirthschaftlich Starken" beschränken
darf, sondern — um bei der wirthschaftlichen Seite zu bleiben — die
wirtschaftliche Hebung der gesammten Volkes erstreben muß. Sofern
man anerkennt, daß in der durch die Form der Aktiengesellschaft ge-
botenen Möglichkeit der Kapitalvereinigung eine Grundlage für die
Hebung des Wohlstandes geboten ist, sind nicht nur die „Minderheits-
rechte", sondern find die Aktiengesellschaften überhaupt ein „Stückchen
sozialer Weisheit."
Marburg. H. Lehmann.

7.
Zur Geschichte des Grundeigenthums in Gst- und Westpreußen. I. Die kölmi-
schen Güter. Von Or. zur. Wilhelm von Brünneck, ordentlichem
Honorar-Professor in Halle a. S. Berlin 1891, Franz Bahlen. (VIII
u. 138 S.) (M. 3,—.).
Das vorliegende Werk bietet eine, vorzugsweise auf Urkunden
basirte Geschichte der Rechtsentwicklung der kölmischen oder der kulmisch en

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