Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

Differenzgeschäst.

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spielen". Dementsprechend, bringt der Kläger weiter vor, trügen denn
auch die einzelnen Geschäfte völlig die Merkmale von Differenz-
geschäften. Die Beklagte habe die Aufträge in eigenem Namen aus-
geführt und darüber ihm, dem Kläger, Schlußnoten in eigenem
Namen und Abrechnung nach Maßgabe dieser Schlußnoten und der
Kursberichte mitgetheilt, niemals aber seien — mit Ausnahme eines
Postens Laurahüttenaktien — die aufgegebenen Papiere von der Be-
klagten wirklich angeschafft und ihm geliefert worden. Gegenstand
der Geschäfte seien durchwegs beliebte Spekulationspapiere gewesen,
der Verkauf habe stets kurze Zeit nach dem Kaufe stattgefunden, der
Umsatz sei sehr hoch gewesen und habe in keinem Verhältniffe weder
zu seinem, des Klägers, Vermögen, noch zu dem nur etwa 10000 M.
an Werth betragenden Depot gestanden.
Die Beklagte lehnt den Klaganspruch ab. Sie will gar nicht
bestreiten, daß es dem Kläger lediglich um Spekulation im wirth-
schastlichen Sinne zu thun gewesen sei, daß er die Papiere nicht habe
behalten, sondern durch Wiederverkauf zu günstigem Kurse habe Ge-
winn machen wollen. Sie bestreitet auch nicht, daß sie dies von An-
fang an erkannt habe. Sie leugnet aber, daß ihre Geschäfte mit
dem Kläger Differenzgeschäfte gewesen seien. Sie macht in erster
Linie geltend, daß ausschließlich Kassageschäste in Frage ständen, und
behauptet, daß sie der klägerischen Ehesrau gegenüber ausdrücklich die
Uebernahme von Zeitgeschäften abgelehnt habe. Nach Angabe der
Beklagten sind die einzelnen Kaufaufträge schriftlich nach dem über-
reichten Formular unter Verzicht auf Mittheilung eines Stück- und
Aummernverzeichnisses erfolgt, und ebenso die Verkäufe — mit Aus-
nahme der Zwangsverkäufe nach dem 10. Mai 1900 — jedesmal im
Aufträge des Klägers erfolgt. Die Beklagte will nur ein Geschäft —
1200 M. Eschweiler — als Selbverkäuferin, alle anderen als bloße Kom-
missionärin ausgeführt haben. Sie behauptet, daß sie die aufgegebenen
Papiere alle von Dritten effektiv per oas8a gekauft und den Kauf-
preis durch Zahlung oder Verrechnung berichtigt habe und daß von
der Ausführung jedes Geschäfts der Kläger schriftlich benachrichtigt
worden sei. Zn Bezug auf die Lieferung der gekauften Papiere
giebt sie an, daß allerdings der größere Theil dieser Papiere nicht
in ihre Hände gelangt und nur von den Verkäufern für sie in Ver-
wahrung genommen und bis zum Verkaufe zu ihrer Verfügung ge-
halten worden sei, daß sie dagegen einen Theil dieser Papiere,
worüber sie nach Werth, nach Stückzahl und für einzelne Stücke

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