Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

910 Einzelne Rechtsfälle.
mäßiger Berechnung ist die Beklagte für ihre Forderungen an den
Kläger noch nicht gedeckt.
Der Kläger behauptet, daß alle der Beklagten aufgetragenen
Geschäfte unklagbare Differenzgeschäfte gewesen seien und deshalb die
Verpfändung der Werthpapiere und Hypotheken nicht zu Recht be-
stehen könne. Er hat mit der vor dem Landgerichte Halle erhobenen
Klage beantragt, die Beklagte zu verurtheilen, diese Werthpapiere
und Hypothekenbriefe an ihn herauszugeben oder deren im Einzelnen
angegebenen Werth an ihn zu zahlen.
Zum Nachweise, daß es sich nur um Differenzgeschäfte gehandelt
habe, hat der Kläger im Wesentlichen Folgendes gellend gemacht: er
habe an dem Besitze der gekauften Werthpapiere kein Interesse gehabt,
sondern nur damit spekuliren wollen. Dies habe die Beklagte ge-
wußt. Bei Beginn der Geschäftsverbindung habe seine Ehefrau, die
als seine Generalbevollmächtigte den ganzen Verkehr mit der Beklagten
geführt habe, deren vertretungsberechtigtem Mitinhaber Paul Sä>.
erklärt, sie wollten ihre Werthpapiere bei der Beklagten in Depot
geben, um daraufhin Werthpapiere zu kaufen und zu verkaufen, sie
wollten damit nur spekuliren, es komme ihnen lediglich auf die Dif-
ferenzen an. Auch habe sie ihm mitgetheilt, daß sie bisher bei dem
Hamburger Bankhause C. spekulirt hätten. Ebenso habe die
klägerische Ehefrau den p. Sch. gleich Anfangs darauf hingewiesen,
daß ihr Ehemann an effektive Abnahme der Werthpapiere nicht
denken könne, da ihm hierzu die Mittel fehlten, und auch später, als
es sich um Erhöhung des Depots gehandelt, ihm davon Kenntnis;
gegeben, daß ihr Vermögen hierzu nicht mehr ausreiche und die Ver-
stärkung des Depots nur durch Darlehen von Verwandten möglich
geworden sei, die unter keinen Umständen verloren gehen dürften.
Daß man auch auf Seiten der Beklagten nicht im Zweifel über den
Spielkarakter der Geschäfte gewesen sei, will der Kläger aus zwei
angeblichen Aeußerungen des Paul Sch. entnehmen; im Beginne des
Geschäftsverkehrs habe er der klägerischen Ehefrau mit Bezug aus
deren Geschäft mit dem Bankhause C. in Lake View shares erklärt,
sie könne diesem Bankier den Einwand des Spieles entgegensetzen, und
hinzugefügt: „das können Sie mir gegenüber ja auch thun, ich darf
Ihnen das nicht einmal sagen", und beim Abbruche der Geschäfts-
verbindung habe er seine, des Klägers, Bitte, sein Konto noch zu halten,
mit der Bemerkung abgelehnt: „nein, das will ich nicht und kann
ich nicht, sonst müßte ich es selbst übernehmen und ich kann nickt

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer