Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

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Literatur.

und Denkschrift, die meist im Wortlaute wiedergegeben werden, sowie
auf die früheren preußischen, bayerischen und sächsischen Versteigerungs-
gesetze und knüpft daran eine selbständige Erörterung der einzelnen
Bestimmungen, bei der neben den Bearbeitungen jener älteren Gesetze
die Kommentare zum Reichsgesetze von Wolff und von Jaeckel mit
ihren zum Theil abweichenden Meinungen herangezogen werden.
Den Vers, auf seinem Gange zu begleiten und zu den sehr zahl-
reichen Meinungsdifferenzen mit anderen Herausgebern Stellung zu
nehmen, ist nicht angebracht. Der Vers, zeigt sich überall als ein be-
sonnen abwägender, scharfsinniger Jurist mit Fähigkeit klarer, leicht-
flüssiger Ausdrucksweise.
Auf zwei Punkte möchte ich Hinweisen, von denen der eine zum
Theil, der andere ganz in den noch zu bearbeitenden Theil des Werkes
hineingehört, die aber vom Vers, in seinen Vorbemerkungen bereits ge-
streift werden, — nur um den Wunsch nach eingehender Erörterung
bei Fortsetzung des Werkes auszusprechen. Der Vers, spricht auf S.!'
als unbedenklich (der herrschenden Ansicht entsprechend) den Satz aus,
daß der Gläubiger, dem das einheitliche Grundstück als Hypothek hast
bar geworden ist, sobald nachher ein ideelles Miteigenthum an dem
Grundstücke begründet wird, die Zwangsvollstreckung wegen seines An
spruchs in die einzelnen ideellen Theile der gegenwärtigen Miteigen-
thümer betreiben könne. Er scheint danach in solchem Falle, entsprechend
der gemeinen Meinung, von einer Wandelung der einheitlich das
Grundstück belastenden Hypothek in eine die einzelnen ideellen Theile be-
lastenden Gesammthypothek auszugehen. Die Vertreter dieser Ansicht
haben bisher unterlassen, den Gedanken weiter zu verfolgen und die
Anwendbarkeit der Grundsätze von der Gesammthaftung einer Mehrheit
von Haftungsgegenständen in allen Einzelheiten zu prüfen. Vielleicht
gelangt der Vers, im Fortgange seiner Arbeit zu dieser sehr dankens
werthen Prüfung.
Das Zweite ist: In der vorläufigen Skizzirung des Vertheilungs
Verfahrens S. 32 wird die Theilungsmasse mit den Worten umschrieben
„namentlich Baargebot mit Zinsen". Mit keinem Worte wird erwähnt
— freilich in treuer Nachfolge zum Gesetzeswortlaute —, daß die Ver-
handlungen im Vertheilungstermin auch darauf sich zu erstrecken haben,
ob die unter das geringste Gebot fallenden Rechte in ihrer Rechts
beständigkeit oder bezüglich eines eingetretenen Wegfallens in Frage
gestellt werden. Dennoch wird S. 35 gesagt, daß auch die auf solcher
Grundlage zum Baargebote zuzuzahlenden Beträge in den Theilungsplan
aufzunehmen und zu vertheilen sind. Auch hier wird also nur der
Wortlaut des § 125 wiedergegeben; aber es findet sich keine Andeutung,
wie der Richter dazu gelangt, davon Kenntniß zu erhalten, daß ein solcher
Fall vorliegt, und ob es zu seiner Pflicht gehört, die Verhandlungen
darauf zu erstrecken, ob etwa ein Betheiligter behaupten will, jener Fall
liege vor. Je mehr der Drang der Geschäfte den Richter dahin führt,
die Verhandlung auf das zu beschränken, was das Gesetz fordert, um
so wünschenswerther ist es, daß die Erörterung des Gesetzes klarstellt, ob

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