Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

9.2. Hupka, Die Vollmacht

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Literatur.

einem „Sprechsaal" eine Reihe von Zweifelsfragen und Rechtsfällen zur
Erörterung gestellt.
Die Namen der Herausgeber und der Inhalt dieses ersten Heftes
bürgen für einen gedeihlichen Fortgang des zeitgemäßen und nützlichen
Unternehmens, das, wie sich voraussehen läßt, zu einer den Bedürfnissen
des Rechtslebens entsprechenden Anwendung des neuen Rechtes wesent
sich beitragen wird.
Leipzig. Boethke.

43.
Ule Vollmacht (sine civilistische Untersuchung mit besonderer Berücksichtigunfl
des Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs. Von I)r. iur. Josef Hupka.
Leipzig 1900. Duncker und Humblot. (M. 9,20.)
Die neue Gesetzgebung hat eine Ueberfülle juristischer Bücher her:
vorgerufen, die man zwar gelegentlich nachschlägt, aber nicht liest. Desto
erfreulicher ist es, einem Werke zu begegnen, das einen einzelnen wichtigen
Stoff mit Liebe und Sorgfalt durchdringt und als anziehende und be-
lehrende Lektüre bezeichnet werden kann.
Eine Monographie über die Vollmacht zu schreiben, wäre vor
La band nicht möglich gewesen. Sein Verdienst ist es gewesen, den
Unterschied zwischen Auftrag und Vollmacht zuerst mit Klarheit heraus-
gehoben und an den Bestimmungen des Allgem. deutsch. Haud.Ges.Buchs
im Einzelnen durchgeführt zu haben. Es giebt Aufträge ohne Vollmacht
und Vollmachten ohne Auftrag. Beides sind verschiedene Rechtsgeschäfte
mit anderen Voraussetzungen, anderem Inhalt und anderen Wirkungen.
Der Auftrag spricht ein Sollen des Beauftragten aus und bewirkt ein
-oSlitzatoÄcheL._WÄen desselben; die Bevollmächtigung aber ist nichts
weiter als Einwilligung in die Stellvertretung und ihre Wirkung ein
rechtliches Können, eine Vertretungsmacht. Es ist bekannt, daß diese
Lehre in Theorie und Praxis langsam, aber sicher zu immer weiterer
Anerkennung gelangt ist. Auf dem Boden des gemeinen Rechtes und
des Handelsrechts war dabei für die Rechtsprechung namentlich auch ein
oft angeführtes Erkenntniß des hanseatischen Oberlandesgerichts vom
Fahre 1888 (Seuff Arch. 44 Nr. 174) von ausschlaggebender Be-
deutung; daß das B.G.B. dieser Entwickelung folgen mußte, war selbst'
verständlich. Die nicht nur dem preuß. Landr. und dem Cork civil,
sondern auch noch dem sächsischen bürgerl. Gesetzbuche ftemde Scheidung
zwischen der Vollmacht und den verschiedenen Geschäftsführungsverhält-
niffen, insbesondere dem Auftrag, ist hier scharf durchgeführt. Die
Vollmacht ist dahin gestellt, wohin sie gehört, zur Stellvertretung, und
durch die Bestimmung im § 167 Abs. 1:
„Die Ertheilung der Vollmacht erfolgt durch Erklärung gegen-
über dem zu Bevollmächtigenden oder dem Dritten, dem gegenüber
die Vertretung stattfinden soll" —
hat das Gesetz die formelle Selbständigkeit des Bevollmächtigungsakts
gegenüber dem Gestionsvertrage klar zum Ausdrucke gebracht.

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