Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

6.3. Kuhlenbeck, Das Einführungsgesetz zum B.G.B.

Kuhlenbeck, Das Einführungsgesetz zum B.G.B.

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Am Erbrechte meint der Verf. und wohl mit Recht, daß die
wichtige Lehre von der Haftung der Erben für die Nachlaßschulden
stets eine wahre erux iuris consultorum bilden werde. Er selbst schließt
sich übrigens, indem er betont, daß die Denkschrift offenbar mehr die
praktisch beabsichtigte Wirkung, die Regel des Lebens als den theo-
retischen und rechtsgeschichtlichen Ausgangspunkt des Gesetzes habe kenn-
zeichnen wollen, mit Rücksicht auf den Wortlaut des § 1967 der Auf-
fassung an, daß das B.G.B. grundsätzlich vom Standpunkte der
unbeschränkten Haftung ausgehe. An einem „undogmatischen Nachtrage"
behandelt der Verf. auf 36 Seiten kurz die Vorgeschichte des B.G.B.
und bespricht dann die Bedeutung desselben, wobei er, wie aus seinen
bisherigen Bearbeitungen schon zu erwarten war, eine rücksichtslose, oft
übertrieben scharfe Kritik ausübt.
Ter zweite, 28 Seiten haltende Theil dieses Nachtrags beschäftigt
sich mit dem Studium der Rechtswissenschaft und insbesondere des
Privatrechts und enthält recht Beachtenswerthes. Hervorheben will ich
hier nur, daß der Verf. eine psychologische und nationalökonomische
Vorbildung und ein tieferes Studium des Staats- nnd öffentlichen
Rechtes neben dem bürgerlichen Rechte, beim Studium dieses aber nach
wie vor ein exegetisches Durcharbeiten der klassischrömischen Rechts-
quellen fordert. An der viel beredeten Ablösung des juristischen
Studiums von der humanistischen Vorbildung erblickt der Verf. die
Besiegelung der dccadence der Rechtswissenschaft.
Das nunmehr vollendet vorliegende Werk zeichnet sich, wie schon
bei der Anzeige des I. Theiles hervorgehoben ist, durch Wissenschaftlich-
keit, Klarheit der Darstellung und Selbständigkeit des Urtheils aus, und
diese Vorzüge sichern ihm seinen wohlverdienten Platz in der Literatur
des B.G.B. Ungewitter, Cassel.

3.
Las GinführungNgesetz zum K.G6. Am Aufträge des Vorstandes des
Deutschen Anwaltsvereins erläutert von I)r zur. Ludwig Kuhlenbeck,
Rechtsanwalt in Jena. Berlin 1901. Carl Heymanns Verlag. (M. 3,—.)
Diese in sich selbständige und abgeschlossene Bearbeitung des E.G.
bildet den dritten, abschließenden Theil des bestens bekannten Kuhlen-
beck'schen Handkommentars zum B.G.B. und dessen E.G. Gleich dem
Kommentare zum B.G.B. zeichnet sich der vorliegende durch geschickte
Anordnung, durch Klarheit und treffende Kürze der Anmerkungen aus
und eignet sich deshalb ganz besonders zum Gebrauche für den Prak-
tiker, dem er aber auch durch vollständige Angabe der einschlägigen
Literatur immer die Wege zu einem tieferen Studium der betreffenden
Fragen ebnet. Einer weiteren Empfehlung des Kuhlenbeck'schen Kom-
mentars bedarf es wohl nicht. Ungewitter, Caffel.

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