Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 46 (1902))

Krückmann, Institutionen des Bürgerlichen Gesetzbuchs. 151
das Organ des Menschen sei, durch welches er in eigener Person und
unmittelbar handle. „Wer durch Organe handelt, der handelt selbst,
und was seine Organe an Delikten begehen, begeht er selbst, denn wir
können ihn von seinen Organen nicht trennen.Vereine handeln
durch ihre Organe unmittelbar selber, und für ihre eigenen Handlungen
werden sie auch mit Recht selber verantwortlich gemacht gemäß den
Thatsachen, daß die Thätigkeit meiner Hand meine, die Thätigkeit
meines Vertreters seine Handlung ist." Hiernach hätte es eigentlich
des § 31 nicht bedurft, und die Haftung der Vereine für die Delikte
ihrer „Organe", die so lange und so heftig bestritten worden ist, erklärt
sich auf die einfachste Art. Indessen wird es trotz des Vergleichs mit
der Hand als dem Werkzeuge des handelnden Menschen Niemandem
einleuchten, daß der Verein selbst und unmittelbar durch seine Beamten
handle. Denn die Hand ist willenloses Werkzeug, das durch den
Willen des Menschen in Bewegung gesetzt wird, während die Beamten
des Vereins willensbegabt sind und selbst handelnd auftreten, der Verein
als solcher aber keinen Willen hat, so daß die Handlungen der Beamten
niemals Handlungen des Vereins sein, sondern höchstens vor dem
Rechte als solche gelten können.
Die Vererblichkeit des Besitzes (§ 857 B.G.B.) macht den Theo-
retikern Schwierigkeiten, die der Vers, dadurch zu überwinden meint,
daß er den Besitz definirt als das Recht, in dem augenblicklichen äußeren
Stand der Dinge nicht durch äußere, rechtlich nicht ausdrücklich erlaubte,
Eingriffe gestört zu werden (S. 281). Hier wird also ein Begriff des
Besitzes aufgestellt, aus dem sich dessen Vererblichkeit von selbst ergeben
soll. Allein der Begriff kann aus dem Gesetze nicht hergeleitet werden.
Denn das Recht, wenn der Besitz ein solches ist, bezieht sich nur auf
Sachen (§§ 854, 856 B.G.B.) und knüpft an deren tatsächliche Jnne-
habung an. Wo andere äußere Zustände geschützt werden (§§ 1029,
1090, 900 B.G.B.), da spricht das Gesetz nur von „entsprechender"
Anwendung der für den Besitzschutz geltenden Vorschriften. Es ist aber
auch nicht zuzugeben, daß der Uebergang des Besitzes auf den Erben
in der Definition, wenn sie richtig wäre, seine Erklärung fände. Der
Sinn des § 857 eit. ist der, daß der Erbe schon, ehe er die thatsäch-
liche Gewalt über die Sache erlangt, den Besitzschutz genießt. Das ist
aber ein Recht, welches der Erblasser selbst nicht hatte, da der Besitz-
schutz bei diesem von der thatsächlichen Gewalt über die Sache abhing.
Der äußere Zustand, der bei dem Erben geschützt wird, ist ein anderer,
als der bei dem Erblasser geschützt wurde. Die Anomalie der Be-
stimmung zu beseitigen, ist dem Verfasser nicht gelungen.
Ein weiteres Bedenken haben wir gegen die Art, wie der Verf.
streitige Fragen behandelt. Solche Fragen auszuscheiden, ist selbst in
einem für Anfänger bestimmten Lehrbuche nicht möglich, denn es fehlt
an ihnen auch in den Elementen des Rechtes nicht. Da sie nicht mit
Stillschweigen übergangen werden können, so müffen sie entweder als
zweifelhafte Fragen vorgetragen werden und unentschieden bleiben, oder
es wird dem Schüler eine Entscheidung, bei der die Autorität des

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