Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 49 (1905))

10.7. Krahmer, Gegenseitige Verträge

408

Literatur.

reden können. Bedenklich erscheint mir, daß (97) Verwandte, die ein
Kind als Besuch ausgenommen haben, ohne weiteres infolge eines still-
schweigend zwischen ihnen und den Eltern abgeschlossenen Vertrags aus
§ 832 Abs. 2 haften sollen. Bei seiner Darstellung hat der Vers, die
einschlägige Literatur und Rechtsprechung auch, soweit sie das französische
und schweizerische Recht betreffen, in ausgiebiger Weise berücksichtigt;
auch ist er bestrebt gewesen, seine Ausführungen durch Beispiele
zu belegen.
Kassel. Ungewitter.

40.
Gegenseitige Verträge. Studien zur Systematik des Reichsrechts von vr. Horst
Kr ahm er, Gerichtsassessor und Privatdozent der Rechtswissenschaft an
der Universität Halle a. S. Halle 1904. Verlag der Buchhandlung des
Waisenhauses. (M. 3,60.)
Der Vers, will nicht so sehr eine Monographie über ein einzelnes
Rechtsgebiet als einen Beitrag zur Methode der Jurisprudenz geben,
indem er in erster Linie zu untersuchen unternimmt, ob und inwieweit
die allgemeinen Vorschriften der ZK 320—327 BGB. nicht nur mit den
bei den einzelnen Schuldverhältnissen gegebenen Vorschriften, sondern
auch mit den noch allgemeineren, schon im I. Abschnitt und im I Titel
des II. Abschnitts des II. Buches hinsichtlich der Nichterfüllung von Ver-
tragspflichten, Unmöglichkeit und Verzug sich findenden Vorschriften zu-
sammenstimmen.
Bei seinen Untersuchungen geht der Vers, überall von dem Satze
aus, daß eine schlüssig vorgehende Rechtsordnung eine einmal festgestellte
Rechtsfolge nur insoweit abändern darf, als dieses gerade durch die
Abänderung des Tatbestandes begründet wird. Er kommt zu dem Er-
gebnisse, daß die Vorausstellung der allgemeinen Sätze im wesentlichen
systematisch gerechtfertigt ist.
Nach einer Einleitung behandelt der Vers, im I. Teile die allgemeinen
Vorschriften über gegenseitige Verträge (Rechtsfolgen der Nichterfüllung,
der Unmöglichkeit, des Verzugs und der positiven Vertragsverletzungen)
und in den folgenden II., III. und IV. Teilen deren Anwendbarkeit auf
die einzelnen gegenseitigen Schuldverhältnisse, nachdem er zu Beginn des
II. Teiles die einzelnen Schuldverhältnisse und die aus ihnen entspringen-
den Verpflichtungen auf ihre Gegenseitigkeit geprüft hat. Übrigens geht
der Vers, trotz der seiner Arbeit gegebenen Überschrift: Gegenseitige
Verträge, auch auf die Frage ein, ob nicht die ZZ 320 ff. auch bei ge-
setzlichen gegenseitigen Schuldverhältnissen, z. B. bei der Gemeinschaft,
anzuwenden seien, und er bejaht diese Frage m. E. zutreffend. Weiter
sei hervorgehoben, daß der Verf. nicht nur die im BGB. geordneten
einzelnen Schuldverhältniffe berücksichtigt, sondern auch auf die Bestim-
mungen anderer Reichsgesetze, z. B. des HGB., der GewO., des PostG.,
des VerlG. usw., eingeht.
Besondere Schwierigkeiten findet der Verf. mit Recht bei der An-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer