Volltext: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 51 (1907))

13. Literatur

13.1. Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte. I. Bd. 2. Aufl.

Literatur.

64.
Deutsche Nechtsgeschichtr. Von Heinrich Brunner. I. Bd. 2. Aufl. Leipzig
1906. (Aus Binding: Handbuch der deutschen Rechtswissenschaft II, 1.1.)
Duncker & Humblot. (M. 14,—, geb. 16,50.)
Brunners Werk bildet einen Markstein in der Geschichte der deutschen
Rechtswissenschaft. Mehr als man landläufig annimmt, war seit
der Humanistenzeit die Rechtsgeschichte der europäischen Germanenvölker
aepflegt worden. Aber erst Montesquieu hatte im Zusammenhänge mit
dem englischen Empirismus die Richtlinien einer wissenschaftlich hoch-
stehenden rechtshistorischen Methode gezeichnet, und seine Gedankengänge
batten, getragen von der ebenfalls an den englischen Empirikern orien-
nerten Philosophie Kants in Deutschland Wurzel geschlagen. Während
oamals Zacob Grimm mit ganz anderer geistiger Durchdringung als
seine Vorgänger die Rechtsaltertümer pflegte, bot Karl Friedrich Eich-
horn in seiner „Deutschen Staats- und Rechtsgeschichte" (1808) zur
*ett der tiefsten Erniedrigung Deutschlands eine Darstellung der Ent-
wicklung des deutschen Rechtes bis aus seine Zeit. Er sprach es dabei
ausdrücklich aus, daß er durch seine Arbeit für die bevorstehende Neu-
gestaltung der staatlichen und rechtlichen Verhältnisse Deutschlands dem
Verständnisse des geltenden Rechtes dienen wolle. Denn — so bemerkt
er — mag von dem Alten „mehr oder weniger in die neuen Ein-
richtungen ausgenommen werden, — ohne eine genaue Kenntnis dessen,
was war, und der Art und Weise, wie es das wurde, was es war,
wird es immer unmöglich sein, ihren Geist und ihr Verhältnis zu dem,
was bestehen bleibt, richtig aufzufassen."
An Eichhorns Werk, das — mit Brunners Ausdruck — „das
leitende Buch der Disziplin" fast ein Jahrhundert blieb, schloß sich eine
kaum übersehbare Fülle rechtshistorischer Einzelarbeiten, und im letzten
Drittel des 19. Jahrhunderts wurde das Bedürfnis nach einer erneuten
Zusammenfassung dieser Forschungen immer dringender. Dabei war
die Forschung für die urgermanische und die fränkische Periode — also
bis zum Ausgange der Karolingerdynastie — schon damals soweit
vorgeschritten, daß für diese Perioden eine systematische Neubearbeitung
l'n großen Stile mit eingehender Begründung möglich war, eine Neu-
bearbeitung, die einen vorläufigen Abschluß und die Grundlage für neue
Forschungen bedeutete. Dieser großen Aufgabe unterzog sich Heinrich
Brunner.
Die beiden ersten Bände seiner Rechtsgeschichte (1887 und 1892)
^handeln die germanische Urzeit und die Rechtsgeschichte der fränkischen

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